Kontrollverlust: RWE und die Braunkohle im Rheinischen Revier

 Ein Schaufelradbagger steht am 23.01.2015 im Braunkohle-Tagebau in Garzweiler (Nordrhein-Westfalen).

Kontrollverlust: RWE und die Braunkohle im Rheinischen Revier

Von Karin de Miguel-Wessendorf und Matthias Holland-Letz

Der nordrhein-westfälische Energiekonzern RWE steht mächtig unter Druck. Jahrzehntelang produzierte er Strom aus Braunkohle – und entwickelte sich zu Europas größtem Erzeuger von klimaschädlichem CO2. Und nun?

Berittene Polizisten stehen am 11.04.2016 vor dem Lager von Umweltaktivisten im Hambacher Forst (Nordrhein-Westfalen

Der Riss geht mitten durch das Rheinische Revier, die Region zwischen Aachen und Köln. Auf der einen Seite stehen der Energiekonzern RWE und seine 9.000 Mitarbeiter, die weiterhin im Braunkohle-Tagebau und in den Kraftwerken ihr Brot verdienen wollen. Auf der anderen Seite positionieren sich Umweltpolitiker, Naturschützer und von Umsiedlung Betroffene. Sie drängen auf einen raschen Ausstieg aus der Braunkohle. Gegen RWE kämpfen zudem Frauen und Männer, die am Tagebau Hambach einen Wald besetzen und vor Gewalt gegen Sachen nicht zurückschrecken. Wir besuchen das Camp der militanten Kohlegegner und sprechen mit einem RWE-Baggerführer an seinem Arbeitsplatz in luftiger Höhe. Und wir erklären, zu welchen Lobbystrategien RWE greift, um den wachsenden Widerstand auszumanövrieren.
Das Feature steht nach der Sendung zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Kontrollverlust: RWE und die Braunkohle im Rheinischen Revier

WDR 5 Dok 5 - Das Feature | 06.11.2016 | 52:56 Min.

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Ausstrahlung am 6. November 2016, Wiederholung am 7. November 2016
Von: Karin de Miguel-Wessendorf und Matthias Holland-Letz
Die Recherchen für dieses Vorhaben wurden durch ein Stipendium der gemeinnützigen Olin-Stiftung unterstützt und von netzwerk recherche gefördert.
Redaktion: Annette Blaschke
Produktion: WDR 2016

RWE und die Braunkohle im Rheinischen Revier

Von Matthias Holland-Letz

Ein erbitterter Streit: Auf der einen Seite stehen der nordrhein-westfälische Energiekonzern RWE und die 9.000 Mitarbeiter, die weiterhin mit Braunkohle ihr Brot verdienen wollen. Auf der anderen Seite positionieren sich Umweltpolitiker, Naturschützer und von Umsiedlung Betroffene.

Waldweg im Hambacher Forst

Der Hambacher Forst – ein Wald zwischen Düren und Rhein-Erft-Kreis mit einer 12.000 Jahre alten Geschichte.

Der Hambacher Forst – ein Wald zwischen Düren und Rhein-Erft-Kreis mit einer 12.000 Jahre alten Geschichte.

Der Hambacher Forst grenzt an den Tagebau Hambach, den das Energieunternehmen RWE seit fast 40 Jahren betreibt. Von 5.500 Hektar Wald sind derzeit noch knapp 800 Hektar übrig.

Rund 30 Aktivisten halten den Wald besetzt. Sie haben Baumhäuser gebaut und wohnen darin. 

Aktivist Clumsy hat sich in einer Eiche auf 16 Meter Höhe ein Baumhaus errichtet. Es ist mit Tisch und Stühlen, einem Bett, Regalen, einem Holzofen und einem Balkon ausgestattet.

Guido Steffen, Pressesprecher von RWE, wehrt sich gegen Kohlegegner, die Gewalt gegen RWE-Firmeneinrichtungen ausüben: "Unsere Leute sind durch die Bank bestürzt und entsetzt."

RWE betreibt drei Tagebaue im Rheinischen Revier – hier liegt das größte Braunkohlevorkommen Europas. Von RWE geförderte Braunkohle sorgt laut Firmenangaben für rund 12 Prozent des deutschen Strombedarfs.

Das Fahrwerk eines Schaufelradbaggers im Tagebau Hambach. Die riesigen Bagger sind 200 Meter lang und bis zu 96 Meter hoch.

Karl-Heinz Horstmannshoff steuert einen Schaufelradbagger. Ist sein Arbeitsplatz in Zeiten der Energiewende sicher? "Wenn man so hört, was die Regierung vorhat, wird einem Angst und Bange", sagt der 54-Jährige.

Das Dorf Kuckum, östlich von Aachen: Der Protest gegen Rheinbraun, jetzt RWE, bleibt ungehört. Kuckum und vier Nachbardörfer liegen im Abbaugebiet von Garzweiler II.

Feiern auch wenn die Umsiedlung näher rückt: Kuckums Schützenkönigspaar samt Gefolge im Juni 2016.

Der Kuckumer Schützenverein fürchtet, durch die Umsiedlung Mitglieder zu verlieren. Ältere Dorfbewohner ziehen lieber zu ihren Kindern oder in die Stadt, als am Umsiedlungsstandort neu zu bauen. 

Hans Josef Dederichs, Erster Brudermeister der Schützen in Kuckum:  "Es gibt viele Schicksalsschläge, Tod oder Scheidung. Aber für mich kommt die Umsiedlung direkt dahinter."

Wie geht es weiter mit RWE? Zwar setzt der Konzern inzwischen auch auf erneuerbare Energien. Doch betreibt das Unternehmen weiterhin vier Braunkohle-Kraftwerke  – und ist damit Europas größter Emittent von klimaschädlichem CO2.

Stand: 16.09.2016, 11:28