Einmol Prinz zo sin: Das Geschäft mit dem Karneval

Prinzenproklamation Köln 2017: Prinz Stefan I

Einmol Prinz zo sin: Das Geschäft mit dem Karneval

Von Alexandra Rank und Maike von Galen

Während ehrenamtliche Jeckinnen und Jecken viel Herzblut investieren, ist der Karneval für Musiker, Büttenredner und Wirte vor allem ein lohnendes Geschäft: Längst werden mit dem Karneval Millionen umgesetzt.

An den tollen Tagen zieht es Jahr für Jahr Millionen Menschen in die Karnevalshochburgen, um ausgelassen in der Kneipe zu feiern oder einmal leibhaftig einem Prinzen zuzuwinken. Lokale Bands haben im Rheinland ein straffes Programm, eilen von Auftritt zu Auftritt und spielen in kurzer Zeit ihren Jahresumsatz ein. Dabei wird auch im Sommer inzwischen Karneval gefeiert, zur Freude der Brauereien: So lange die Menschen tanzen, trinken sie. Die Gradwanderung zwischen Brauchtum und Kommerz ist auch im Karneval schmal.
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Einmol Prinz zo sin: Das Geschäft mit dem Karneval

WDR 5 Dok 5 - Das Feature | 12.02.2017 | 52:45 Min.

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Ausstrahlung am 12. Februar 2017
Von: Alexandra Rank und Maike von Galen
Redaktion: Frank Christian Starke
Produktion: WDR 2017

Einmol Prinz zo sin: Das Geschäft mit dem Karneval

Bis zum Aschermittwoch herrscht im Rheinland und vielen anderen Teilen Nordrhein-Westfalens derzeit wieder der Ausnahmezustand. Der fünften Jahreszeit wird viel Zeit gewidmet: Überall Menschen, die sich verkleidet haben, die schunkeln, tanzen und trinken wollen. Sie füllen in diesen Wochen Kneipen und Partyzelte. Übernachten in Hotels, nutzen den öffentlichen Nahverkehr, gönnen sich ein Taxi, haben Hunger und vor allem ganz viel Durst. Kurz: An dem ausgelassenen Treiben im Karneval haben nicht nur zig tausende Menschen Freude, sondern verdienen auch viele mit.

Verkleidete Menschen feiern am 11.11.2016 auf dem Heumarkt in Köln.

Es geht los: Sessionseröffnung am 11.11. auf dem Heumarkt in Köln. Die Sehnsucht nach der Karnevalszeit ist für Tausende Narren so groß, dass sie Eiseskälte und Nieselregen trotzen. Der guten Laune tut das keinen Abbruch: Die Jecken schunkeln, singen, und trinken glücksselig – so wie an vielen anderen Orten in Nordrhein-Westfalen.

Es geht los: Sessionseröffnung am 11.11. auf dem Heumarkt in Köln. Die Sehnsucht nach der Karnevalszeit ist für Tausende Narren so groß, dass sie Eiseskälte und Nieselregen trotzen. Der guten Laune tut das keinen Abbruch: Die Jecken schunkeln, singen, und trinken glücksselig – so wie an vielen anderen Orten in Nordrhein-Westfalen.

Dass der 11.11. gar nicht um 11:11 Uhr eröffnet wurde sondern schon um 11:09 Uhr nimmt Karnevalsreporter Jochen Hilgers mit Gelassenheit. Den verfrühten Sessionsstart haben eh nur die Menschen hinter den Kulissen mitbekommen. Karneval ist nicht nur eine Zeit, in der ausgelassen und viel gefeiert wird, sondern auch ein immenser Wirtschaftsfaktor: Allein in Köln werden auf Zügen, Sitzungen und im Kneipenkarneval 460 Millionen Euro umgesetzt. Das ermittelte 2009 eine Studie der Boston Consulting Group.

Am 11.11. vor allem aber auch in der Zeit um Rosenmontag kostet eine Übernachtung in den Karnevalshochburgen deutlich mehr – egal ob im Hotel, einer Pension oder bei der privaten Zimmersuche. Aufschläge für Karneval um 60, 70 fast 100 Prozent sind keine Seltenheit. Den Karnevalstouristen ist das egal: Sie wollen im Rheinland feiern – auch wenn sie viele Texte der lokalen Songs auch nüchtern gar nicht verstehen.

Die Kölner-Nachwuchsband Miljö ist nach ihrem Karnevalshit der letzten Session  gefragt: Über 100 Auftritte absolvieren die Musiker in wenigen Wochen – leben können sie vom Karneval bislang jedoch trotzdem nicht. Alle Bandmitglieder arbeiten außerhalb des Karnevals noch in anderen Berufen.

Die angehende Abiturientin Julia Plötz ist als Einzelmariechen der Stolz der KG Eulgenspiegel Aachen. Wie viele andere liebt Julia den Karneval. Die 18-jährige hat eigentlich jeden Tag Training: Durch die Luft im Spagat fliegen, im Takt zur Musik die Beine senkrecht in den Himmel schwingen, immer ein Lächeln auf den Lippen – was mühelos aussieht, ist ein riesiger Kraftakt. Julia tanzt nicht einfach nur, sondern führt quasi nebenbei auch noch eine Akrobatiknummer auf, für die sie extra Trainingsstunden nimmt. Die Stunden bezahlt sie aus eigener Tasche.

Damit sie ihren Traum vom Karneval leben kann gibt Julia selber Training. Nur die Woche nach Aschermittwoch ist trainingsfrei, danach wird bereits das Programm für die nächste Session ausgearbeitet. Bei aller Wirtschaftskraft: Ohne das Ehrenamt würde der Karneval nicht funktionieren. Egal ob Tanzgruppen, Wagenbauer oder Zugbegleiter. Sie alle opfern viel Zeit für die tollen Tage. Feilen wochenlang akribisch an Kostüm und Performance, warten geduldig auf ihren Auftritt.

Die Roten Funken bei ihrer wöchentlichen Sitzung während der Session. Im historischen Gewölbekeller werden die nächsten Auftritte abgesprochen. Die mehr als 500 Mitglieder der Kölner Gesellschaft bekleiden ihre Ämter ehrenamtlich. Aber der Verein trägt trotzdem unternehmerische Züge: Die Roten Funken verwalten pro Jahr einen Umsatz von rund 1,6 Millionen Euro – mehr als manch mittelständische Firma.

Bei den Sitzungen der Karnevalsgesellschaften fließt viel Alkohol. Ein 0,2er Glas Kölsch kostet dann vielerorts 2,50 Euro. In der Eckkneipe außerhalb der Karnevalstage kommt man mit 1,50 Euro hin. Dabei darf Bier gar nicht bei allen Sitzungen getrunken werden: Traditionell herrscht oft Weinzwang. Wer den nicht trinken mag für den gibt es alternativ „Kalte Ente“: Ein Gemisch aus einer Flasche Weißwein, einer Flasche Sekt – serviert mit Eis und Zitrone. Eine Karaffe kostet auf Kölschen Sitzungen um 50,- Euro.

Verkleidete Partygäste mitten im Sommer: Mit Jeck im Sunnesching hat der Karneval auch im August in Köln Einzug gehalten. Die Feiernden freut’s: Sie frieren nicht unter dünnen Kostümen. Traditionalisten beklagen dagegen eine „Kommerzialisierung des Karnevals“.

Auch die Garde-Tänzerinnen der Eitorfer Flamingos freuen sich über den Sommerkarneval: Während der Session jagt ein Auftritt den nächsten – im Sommer können sie selbst einmal ausgelassen feiern.

Stand: 17.01.2017, 15:23