"Transit" von Rachel Cusk

Buchcover: "Transit" von Rachel Cusk

"Transit" von Rachel Cusk

Mit einem autobiographischen Roman über das Ende ihrer Ehe wurde Rachel Cusk zur meist gehassten Schriftstellerin Großbritanniens. In den Jahren danach hat sie nach einer neuen Sprache gesucht. Mit "Transit" legt sie den bemerkenswerten zweiten Band einer Romantrilogie vor, in der sie auf subtile Weise mit Fiktion und Realität spielt.

Die Protagonistin dieses Romans ist Faye. Ihr Name wird nur ein einziges Mal genannt, und auch sonst wird wenig über sie verraten: Sie ist geschieden, Mutter von zwei Söhnen und gerade neu nach London gezogen. In ein schlechtes Haus in einer guten Gegend, das zunächst einer wochenlangen Generalüberholung bedarf.

Eine von vielen Parallelen zwischen Rachel Cusk und ihrer Protagonistin Faye, die wie sie Schriftstellerin ist, und deren passive Haltung eine Art Bühne bildet für die Geschichten der anderen. Auf scheinbar beiläufige Art und Weise verwebt Rachel Cusk diese Einzelerzählungen zu einer klugen Reflexion über das Erzählen an sich als Ausdruck menschlicher Existenz.

In einem Interview mit dem britischen Guardian hat Rachel Cusk vor einigen Jahren erklärt, dass sie nach den verletzenden Reaktionen auf ihren autobiographischen Roman "Aftermath" drei Jahre lang nicht habe schreiben können. Als sie wieder zu ihrer Stimme gefunden habe, habe sie sie in den alltäglichen Begegnungen gefunden. In der Prosa von Gesprächen; die Schriftstellerin als Zuhörerin. "Transit" ist nach "Outline" der zweite Teil einer bemerkenswerten Romantrilogie.

Eine Rezension von Simone Schlosser

Literaturangaben:
Rachel Cusk: Transit
Aus dem Englischen übersetzt von Eva Bonné
Suhrkamp, 238 Seiten, 20 Euro

Stand: 08.06.2017, 14:03