"Madrid, Mexiko" von Antonio Ortuño

Buchcover: "Madrid, Mexiko" von Antonio Ortuño

"Madrid, Mexiko" von Antonio Ortuño

Der junge Mann Omar muss nach einem Mord aus Mexiko in die Heimat seiner Vorfahren nach Spanien fliehen – und erfährt dort Ausgrenzung. Gewalt, Korruption, Migration. Düstere Themen, die in Antonio Ortuños "Madrid, Mexiko" zur Sprache kommen.

In der Eingangsszene des Romans "Madrid, Mexiko" versteckt sich der junge Mann Omar im hintersten Winkel des Hauses seiner Cousine. Der korrupte Gewerkschaftsboss, genannt Mariachito, hat ihn und seine (wessen) Cousine, Catalina, beim Liebesspiel überrascht. Dabei ist er doch eigentlich ihr Liebhaber. Der eifersüchtige Gewerkschaftsboss fackelt nicht lange und zieht den Revolver, erschießt die schöne Catalina – und danach sich selbst. Omar gerät in Panik und flieht. Nicht nur vor der Polizei, sondern auch vor der rechten Hand des Gewerkschaftsbosses.

Antonio Ortuño zeichnet in seinem zweiten ins Deutsche übersetzten Roman ein sehr düsteres und pessimistisches Bild der mexikanischen Gesellschaft. Gewalt und Egoismus – die Triebfedern der Figuren. Ortuños klare, präzise und in der Gewaltdarstellung kompromisslose Sprache macht den eher knappen Roman sehr intensiv.

Literarisch ein Genremix aus Thriller, Abenteuer- und Generationenroman - das Ganze eingedampft auf 200 Seiten explosiver Handlung. Zwar werden die Figuren in der Kürze nicht besonders tiefgehend ausgestaltet. Der beschreibende, fast kinohafte Stil und die derbe und bildhafte Sprache machen sie dennoch sehr plastisch. Ein Roman, der spannend ist, hintergründig, brutal und dennoch das sensible Thema Migration gewinnbringend aufgreift.

Eine Rezension von Christoph Ohrem

Literaturangaben:
Antonio Ortuño: Madrid, Mexiko
Aus dem mexikanischen Spanisch übersetzt von Hans-Joachim Hartstein
Kunstmann, 224 Seiten, 20 Euro

Stand: 06.04.2017, 14:11