"Später Ruhm" von Arthur Schnitzler

Hörbuchcover: "Später Ruhm" von Arthur Schnitzler

"Später Ruhm" von Arthur Schnitzler

"Besser spät als nie" weiß der Volksmund. Zu Recht? Im Falle von "Später Ruhm", einer frühen Novelle von Arthur Schnitzler, Vorlage für unser Hörspiel der Woche, lautet die Antwort eindeutig Ja.

Eduard Saxberger, Verfasser eines längst in Vergessenheit geratenen Gedichtbandes namens "Wanderungen", ist Junggeselle, pensionsberechtigter Beamter und verbringt seine Freizeit vorzugsweise auf langen Spaziergängen oder am Stammtisch.

Da taucht eines Tages unverhofft ein Bewunderer bei ihm auf. Natürlich ist Saxberger geschmeichelt, erst recht als er sich im Mittelpunkt einer Clique junger Wiener Künstler wiederfindet, die ungeduldig auf den großen Durchbruch warten. Und natürlich träumt er schon bald, na klar, von spätem Ruhm.

Die Begeisterten, so nennt sich die junge hoffnungsfrohe Dichtertruppe, beschließen mit einer öffentlichen Lesung in die Offensive zu gehen. Mit Meister Saxberger und von ihm frisch verfassten Gedichten als einem der Höhepunkte des Abends.

Aus einem Traum wird ein Albtraum. Denn Saxberger muss nicht nur erkennen, dass es wieder nicht zum Ruhm reichen wird, sondern auch wie hohl und selbstbezogen dieser Kreis aus bemühten Dichtern und gescheiterten Schauspielern eigentlich ist.

Dass diese „Geschichte von einem alten Dichter“, so Schnitzlers Alternativtitel, nie zu einer drögen Spießertragödie verkommt, verdanken wir seiner damals schon ausgeprägten Fähigkeit zu feiner, frecher Ironie, gekonnten Pointen und intelligenter Figurenzeichnung – in diesem Fall durchaus mit deftigen Seitenhieben auf seine Kaffeehauskollegen. Und natürlich seiner brillanten Sprache.

All das ist ein Geschenk für Hörspielmacher. Zumindest dann, wenn sie ihr Handwerk so gut verstehen wie Helmut Peschina und Harald Krewer. Die haben aus der Novelle eine tragikomische Hörperle gemacht mit viel Gefühl für Rhythmus und mit tollen Darstellern. Eingebettet in stimmungsvolle Kaffeehausmusik, neu komponiert von Max Nagl.

Eine Rezension von Klaus Prangenberg

Literaturangaben:
Arthur Schnitzler: Später Ruhm
Hörspiel mit Michael Rotschopf, Joachim Bißmeier, Peter Simonischek u.a.
Bearbeitung: Helmut Peschina und Harald Krewer, Regie: Harald Krewer Musik von Max Nagl
Speak Low, 1 CD, Gesamtlaufzeit: 85 Minuten, 14.90 Euro

Stand: 06.04.2017, 14:51