"Kalkutta" von Shumona Sinha

Buchcover: "Kalkutta" von Shumona Sinha

"Kalkutta" von Shumona Sinha

Mit "Erschlagt die Armen" schrieb Shumona Sinha den verstörendsten Roman des Jahres 2015, bis zum Überlaufen mit ihrer Wut auf das französische Asylsystem angefüllt. "Kalkutta" tritt mit mehr Zwischentönen auf, entfaltet jedoch - wenn möglich - eine noch größere Wucht.

Blutige Nächte und gelbe Tage, eine Stadt wie ein Ufo, das sich jederzeit von dem Land abkoppeln und in eine utopische Zukunft fliegen kann. "Kalkutta" ist eine Liebeserklärung an und Abrechnung mit der Hauptstadt Bengalens. Als Trisha nach dem Tod ihres Vaters zu seiner Einäscherung nach Kalkutta zurückkehrt, tritt sie gleichzeitig eine emotionale Reise durch die Vergangenheit der Stadt an. Hier kämpfte ihr Vater für die Kommunisten, die Bengalen mehr als drei Jahrzehnte lang regieren sollten. Hier kämpfte ihre Mutter gegen Depressionen, bevor das Konzept dieser Krankheit in Indien allgemein bekannt war. Eine poetisch-politische Familiengeschichte voller Leidenschaft und Ennui, Prostituierten, Wissenschaftlern und Zentaurenfürsten.

Eine Rezension von Mithu Sanyal

Literaturangaben:
Shumona Sinha: Kalkutta
Aus dem Französischen von Lena Müller
Edition Nautilus, 192 Seiten, 19.90 Euro

Stand: 08.09.2016, 16:25