"Das Paket" von Sebastian Fitzek

Buchcover: "Das Paket" von Sebastian Fitzek

"Das Paket" von Sebastian Fitzek

Wäre Sebastian Fitzek ein englischsprachiger Autor, wäre die einhellige Kritik wohl ein unaufgeregtes "Da weiß halt einer wie´s geht". Er kommt aber aus Berlin, und so werden im gern die Zeigefinger der Hochkultur entgegengeklappt. Wie's geht weiss er trotzdem.

Nulllinie der deutschen Gegenwartsliteratur. So hat der Literaturkritiker Denis Scheck Florian Fitzek mal genannt. Das ist lustig, und sehr gemein, und tatsächlich nicht die Wahrheit.

Ja, natürlich, auch beim neuen Fitzek, "Das Paket" kann man sich sehr wohl an klischeehaften Formulierungen und durchaus überzogenen Plots stoßen, denn es ist schon verdammt unwahrscheinlich dass eine gebeutelte Psychiaterin innerhalb von ein paar Tagen nicht nur eine gammelige Fassleiche im benachbarten Gartenschuppen findet, sondern auch von ihrem eigenen Ehemann aufs Korn genommen wird. Der Kriminalpolizist ist. Das ist übrigens nicht das Ende der Geschichte, also bitte keine bösen Spoilermails.

Aber erinnern wir uns doch mal daran wovon wir hier reden: von Unterhaltungsliteratur. Die sich nicht nur gut liest, sondern tatsächlich genau das tut was sie soll: unterhalten. Im Fall Fitzek lässt sie uns sogar immer mal ein bisschen über den Tellerrand gucken. Im Fall des "Pakets" zum Beispiel erfährt der Leser nebenbei etwas über Missstände in der Psychiatrie. In anderen Fitzek-Romanen unter anderem über die Folgen der weltweiten Massenproduktion von Fleisch.

Denis Scheck findet das dumm und zeigefingermäßig, mir tut das nicht weh. Fitzek ist eben auch Journalist, und wenn sich einige Leute aus seiner Fangemeinde nach der Lektüre ihr Steak ein bisschen kritischer anschauen: wo ist der Schaden? Da habe ich schon deutlich dümmere Bücher gelesen und mich dabei weniger gut unterhalten gefühlt.

Eine Rezension von Rebecca Link

Literaturangaben:
Sebastian Fitzek: Das Paket
Droemer/Knaur, 368 Seiten, 19.99 Euro

Stand: 12.01.2017, 14:21