Roman Ehrlich über "Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens"

Der Schriftsteller Roman Ehrlich

Roman Ehrlich über "Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens"

In seinem neuen Buch erzählt Roman Ehrlich von einem Horrorfilmdreh, der aus dem Ruder läuft. Ein faszinierendes Verwirrspiel über die Angst, bei dem der unangenehme Weg das schmerzliche Ziel ist.

München, Ende 2014: Moritz ist frisch getrennt und antriebslos. Das Angebot seines Freundes Christoph Raub, bei dessen Horrorfilmprojekt mitzumachen, elektrisiert ihn: Das Thema des Films soll die Angst selbst sein. Fortan trifft sich eine lose Gruppe Filmschaffender in einer Ulmer Hinterzimmerkneipe. Dort erzählen die Teilnehmer sich lange Geschichten, die von konkreten und diffusen Ängsten handeln. Aus diesen Erzählungen soll das Drehbuch entwickelt werden.

Schon bei diesen Treffen liegt eine Atmosphäre von Neid, Missgunst und Aggressivität in der Luft. Im Sommer beginnt der Dreh. Statt einer koordinierten Produktion bricht die Gruppe aber zu einer Wanderung von Ulm nach Berlin auf. Immer mal wieder werden Szenen gedreht oder der Campingalltag wird mitgeschnitten, es ergibt sich für Moritz aber kein logisches Gesamtbild eines möglichen Films. Im Laufe der Zeit verlieren die meisten die Lust oder die Nerven und brechen ab. Immer wieder verletzen sich Leute schwer oder werden von Christoph gedemütigt.

Roman Ehrlich hat einen zeitkritischen Roman geschrieben, der den aktuellen nervös ängstlichen Zeitgeist ebenso genau wie lakonisch einfängt. Besonders gelungen ist der erste Teil, in dem – an Klassiker wie das Decamerone erinnernd – die Angstgeschichten der Teilnehmer viel Raum einnehmen. Ehrlich zeigt, dass Angst ein ebenso individuelles wie kollektives Gefühl ist, und wie sie auf den Einzelnen wie auf Gruppen wirkt.

Eine Rezension von Lina Brünig

Roman Ehrlich im Gespräch

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch | 12.03.2017 | 11:48 Min.

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Literaturangaben:
Roman Ehrlich: Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens
S.Fischer Verlag, 640 Seiten, 24.00 Euro

Stand: 09.03.2017, 14:45