Marcia Zuckermann über "Mischpoke!"

Die Autorin Marcia Zuckermann

Marcia Zuckermann über "Mischpoke!"

Das Wort "Mischpoke", aus dem Westjiddischen, bedeutet Familie oder Sippschaft. Turbulent und lebendig kommt diese jüdische Familiensaga daher, über vier Generationen.

Sieben eigenwillige Töchter machen die Familie Kohanim aus. Von Beginn an lachen sie dem Tod ins Gesicht. Zum Beispiel, als im März 1902 mit dem kleinen Benjamin, der letzte Sohn der Familie stirbt. Die Handlung beginnt im ländlichen Westpreußen, wo Polen, Deutschen, Kaschuben und Juden seit Jahrhunderten siedeln, oft aber spinnefeind sind. Familienoberhaupt Samuel ist ein fortschrittlicher Reformjude, der mit den jiddelnden Kaftan-Juden im Schtetl nichts zu tun haben will. Der Sägewerkbesitzer und Möbelfabrikant glaubt an den Fortschritt. Einen männlichen Stammhalter hätte er dennoch gern gehabt. Seine Töchter, die „sieben biblische Plagen“, sind dafür mit besonderer Widerspenstigkeit versehen. Es folgen Pogrome, Revolution, Armut, Verfolgung und Krieg: Ob als ledige Mutter inmitten des Lumpenproletariats im Roten Wedding oder als Partisanin im Krieg. Das 20. Jahrhundert schlägt zu, aber die Kohanim- Töchter lassen sich nicht unterkriegen. Tragik und Komik, Tod und Überlebenswille liegen in dieser Familie nahe beieinander. Marica Zuckermann gelingt es, mit Selbstironie und Humor ein ausgesprochen quirliges Zeit-und Sittenbild zu entwerfen, das ein ganzes Jahrhundert lebendig werden lässt.

Eine Rezension von Mareike Ilsemann

Literaturangaben:
Marcia Zuckermann: Mischpoke! Ein Familienroman
Frankfurter Verlagsanstalt, 448 Seiten, 24.00 Euro

Marcia Zuckermann mit "Mischpoke!"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch | 07.01.2017 | 11:13 Min.

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Stand: 05.01.2017, 15:17