Melinda Nadj Abonji über "Schildkrötensoldat"

Melinda Nadj Abonji über "Schildkrötensoldat"

Im Gespräch

Melinda Nadj Abonji über "Schildkrötensoldat"

Zoltan Kertesz liebt Blumen und löst gern Kreuzworträtsel. Er ist der friedliebendste Mensch, den man sich vorstellen kann. Aber seine Eltern wollen aus ihm einen richtigen Mann machen und melden ihn zur Armee. Das kann nur tragisch enden.

Zoltan ist in allem anders: Ein blauäugiger Zigeuner, der sich als junger Mann nicht für Frauen, sondern für die Schönheit des Himmels interessiert.

Die Eltern sagen, es war der Anfang vom Ende, als Zoltan bei voller Fahrt vom Beifahrersitz des Motorrads, das sein Vater fuhr, auf den Kopf fiel. Danach wurde er vom Bäckerlehrling dazu degradiert, Mehlsäcke zu schleppen. Die Eltern hoffen, in der Armee könne er doch noch zum Mann werden.

Melinda Nadj Abonji erzählt von Zoltans Schicksal aus seiner eigenen Perspektive und aus der seiner Cousine, die sich nach seinem Tod auf Spurensuche begibt. Beide Stimmen zusammen ergeben das anrührende Porträt von einem, der in seiner phantasievollen Versponnenheit nicht stromlinienförmig genug ist für die vom Krieg gezeichnete Gesellschaft, in der er lebt.

Eine Rezension von Dina Netz

Melinda Nadj Abonji über "Schildkrötensoldat"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch | 07.10.2017 | 13:40 Min.

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Literaturangaben:
Melinda Nadj Abonji: Schildkrötensoldat
Suhrkamp Verlag, 173 Seiten, 20 Euro

Stand: 28.09.2017, 12:26