Luise Maier über "Dass wir uns haben"

Luise Maier über "Dass wir uns haben"

Luise Maier über "Dass wir uns haben"

Luise Maier geht mit ihrem Debüt in die Vollen. Ohne zu kommentieren oder ihren Leser zu schonen, erzählt sie von der seelenzersetzenden Enge einer dysfunktionalen Kleinfamilie.

Ist alles noch gut, sagt der Vater in diesem Kleinfamiliendrama und isst die Kartoffelschalen aus dem heimischen Müllkübel. Die Ich-Erzählerin sieht ihm dabei zu.

Und auch wenn sie die vielen kurzen Schlaglichter des Familienlebens kaum kommentiert, merkt der Leser bald: Nicht alles ist hier so gut wie die Kartoffelschalen. Die Mutter flieht vor der zersetzenden Enge der prekär lebenden Familie in ein Künstlerhaus, ins Krankenhaus, schließlich in die Scheidung.

Der arbeitslose Vater ist jähzornig. Er schlägt den Sohn, sperrt ihn im Keller ein oder fesselt ihn ans Bett, wenn er etwas ausgefressen hat. In anderen Momenten, besonders mit der Tochter, ist er so rührend fürsorglich, dass einem warm ums Herz werden will.

Die junge Autorin Luise Maier erzählt in ihrem Debüt von körperlicher und psychischer Gewalt, von inzestuöser familiärer Nähe, einem zu Tode gequälten Hamster und immer wieder auch von ehrlicher Zuneigung.

Sie macht es dem Leser schwer, nicht mit ihren Figuren zu fühlen. Und zwar mit allen gleichermaßen.

Eine Rezension von Fabian May

Luise Maier über "Dass wir uns haben"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch | 01.07.2017 | 11:12 Min.

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Literaturangaben:
Luise Maier: Dass wir uns haben
Wallstein, 152 Seiten, 18 Euro