Kurt Palm mit "Strandbadrevolution"

Der österreichische Regisseur und Autor Kurt Palm mit "Strandbadrevolution"

Kurt Palm mit "Strandbadrevolution"

Ein Sommer in der Provinz, 1972: Strandbadrevolution gibt humorvoll-skurrile Einblicke in die Gefühlswelt des jugendlichen Mick ohne die Schattenseiten dieser Zeit zu verschweigen.

Am Anfang wirkt alles ganz harmlos: Ernst bzw. Mick und seine Freunde Mü, Hendrix, Candy und Taylor genießen in den Sommerferien das heiße Wetter. Am Anfang scheint es, als seien eine Französisch-Nachprüfung und die Frage, wie man an Mädchen herankommt, die schlimmsten Sorgen des jungen Mick. Palm lässt dazu prototypische Sommererlebnisse wie den Besuch im Strandbad so intensiv auferstehen, dass man die Mittagshitze fast zu spüren, die fettigen Pommes zu riechen und das Platschen vom Sprungturm zu hören meint

Dennoch liegt über allem ein durchdringender Hauch von Unglück, Trauer und Weltschmerz: Der Vietnamkrieg lastet ebenso auf den Gemütern der linksalternativen Jungen wie die politische Hexenjagd auf Jane Fonda und die allgemeine Enge in der Provinz. Mick ekelt sich vor anderen Strandbadbesuchern, er ärgert sich über seine phlegmatischen Eltern, er fühlt sich von Mädchen angezogen und ist gleichzeitig sauer auf sie, wenn sie ihn ignorieren oder abweisen.

Sommer, Sonne, Siebziger – einem anderen Autor als Kurt Palm hätte das leicht ins platt Nostalgische entgleiten können. Aber Strandbadrevolution ist ein Buch, so abwechslungreich wie die Pubertät selbst. Und es macht klar: Was man im Nachhinein gern verklärt, ist währenddessen oft besonders anstrengend, verwirrend und mühsam.

Eine Rezension von Lina Brünig

Kurt Palm mit "Strandbadrevolution"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch | 06.05.2017 | 11:56 Min.

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Literaturangaben:
Kurt Palm: Strandbadrevolution
Deuticke Verlag, 256 Seiten, 20 Euro

Stand: 04.05.2017, 13:39