Kerstin Preiwuß über "Nach Onkalo"

Kerstin Preiwuß über "Nach Onkalo"

Kerstin Preiwuß über "Nach Onkalo"

Im Hinterland von Mecklenburg schwinden die Menschen, und auch um Matuschek ist es nicht gut bestellt. Geradezu zärtlich erzählt Kerstin Preiwuß vom Überlebenskampf eines einfachen Mannes und fügt dem Nachwende-Roman neue Facetten hinzu.

Hauptfigur Matuschek hat ein schlichtes Gemüt. Er braucht nicht viel, um zufrieden zu sein. Er liebt seine Tauben, die er züchtet seit er vierzehn ist, und den Geruch von Sommer am See. Morgens geht er zur Arbeit, abends kocht Mutti für ihn. Bis diese plötzlich stirbt.

Nun sorgt Igor, ein ehemaliger Soldat der russischen Armee in der DDR, für Matuschek. Als aber Igor ebenfalls stirbt, gerät Matuschek in eine Abwärtsspirale.

"Nach Onkalo" spielt an einem See in Mecklenburg. Im Hintergrund geht es mit einer ganzen Region bergab. Überall Tod und Verfall und dennoch stimmt einen Kerstin Preiwuß' Roman eher heiter. Die Autorin ergänzt das Genre des Nachwende-Romans um liebenswerte einfache Gemüter und Sonderlinge.

Nüchtern aber zugewandt erzählt Kerstin Preiwuß' von Matuscheks kleinem Kosmos. Immer bleibt die einfache, aber sehr präzise Sprache innerhalb des Horizonts der Figuren. Literatur ermöglicht es, Welten kennen zu lernen, die sich einem sonst nicht erschließen würden. Preiwuß gelingt das Kunststück, dem Leser Figuren ans Herz zu legen, mit denen er im echten Leben vielleicht nichts zu tun hätte.

Eine Rezension von Mareike Ilsemann

Kerstin Preiwuß über "Nach Onkalo"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch | 08.04.2017 | 10:59 Min.

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Literaturangaben:
Kerstin Preiwuß: Nach Onkalo
Piper Verlag, 240 Seiten, 20.00 Euro

Stand: 06.04.2017, 14:32