Kai Gutacker über "Nacht auf die Handfläche"

Der Autor Kai Gutachter

Kai Gutacker über "Nacht auf die Handfläche"

Ein Erzählungsdebüt hat oft etwas Besonderes: in diesen Nachtgeschichten wird realistisch von fragilen Lebenssituationen erzählt und auf einmal taucht man tief in die Fiktion ein und muss sofort die nächste Story lesen.

In "Nacht auf die Handfläche" zeichnet der 1990 geborene Kai Gutacker eine junge Lebenswelt: Drei Freeclimber klettern in der Titelgeschichte Denkmäler gegenüber des Kremls hoch, bis eine harte Entscheidung ansteht. Eine Gruppe Medizinstudenten muss in einem gottverlassenen Favela-Dorf plötzlich einen schwerverletzten Jungen behandeln, worüber sie in Streit gerät. Ein Mann lebt mit dem Geist von Frau und Tochter in dem Haus, das er nicht aufgeben will; ein anderer klaut Leuten ihre Plastiktüten mit Büchern, um neue Lektüren zu entdecken.

Die Wendepunkte sind überraschend, Situationen kippen vom Melancholischen ins Tragische, ins Komische oder Surreale. Raffiniert bedient sich Gutacker einer spannenden Dramaturgie, und verbindet einzelne Motive und Personen lose miteinander, bis sich ein ganz eigener Kosmos auftut, mit kulturellen Schattierungen und dunklen Unterströmungen. Erzählungen, die auch beim zweiten Blick fesseln. Man darf gespannt sein, wie es bei Kai Gutacker weitergeht.

Eine Rezension von Bettina Hesse

Kai Gutacker im Gespräch über "Nacht auf die Handfläche"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch | 14.01.2017 | 10:33 Min.

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Literaturangaben:
Kai Gutacker: Nacht auf die Handfläche.
Erzählungen
Wunderhorn Verlag, 144 Seiten, 18.80 Euro

Stand: 06.01.2017, 17:01