Anne Weber über "Kirio"

Die Autorin Anne Weber

Anne Weber über "Kirio"

In "Kirio" mischt Anne Weber Elemente der Schelmen- und Heiligengeschichte mit meta-literarischen Spielereien. Ihr Buch, nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse, verwirrt und fasziniert zugleich.

Vielleicht wird eines Tages jedes Schulkind Kirio kennen, sagt einer der vielen Erzähler dieses Buchs. So wie den Buddha Siddhartha oder den Heiligen Franziskus.

Kirio, von dem es handelt, ist ein junger Blondschopf auf Wanderschaft durch Frankreich, der, wo er geht und steht, ganz unschuldig schöpferischen Schabernack treibt. Ein Park verwandelt sich in seiner Gegenwart in ein Volksfest. Ein Lebensmüder fällt in Zeitlupe aus seinem Fenster. Nur Kirio merkt von dieser Wunderwirkung nichts, während er traumsicher durch seine eigene Geschichte läuft.

Zweites Thema von "Kirio" ist das Erzählen selbst. Denn das erzählende Ich fordert den Leser ständig auf, seine Identität zu erraten und führt ihn dann an der Nase herum. Erzählt hier ein Mensch, eine Gottheit oder die Sprache selbst? Dieses Erzählende erwägt schließlich, zum Schluss als letzte Zeugin die Wirklichkeit selbst zu befragen. Aber die Wirklichkeit spricht nicht.

Anne Weber schafft in Szenen und meta-literarischen Reflexionen ein schwer fassbares, aber dabei ungemein klares Lese-Erlebnis, aus dem man nicht viel schlauer, aber belebt hervorgeht.

Eine Rezension von Fabian May

Anne Werber über "Kirio"

WDR 5 Bücher - Autoren im Gespräch | 04.03.2017 | 11:11 Min.

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Literaturangaben:
Anne Weber: Kirio
S. Fischer, 224 Seiten, 20 Euro

Stand: 02.03.2017, 15:26