"Schlaf kann man nicht erben" von Lü Yue

Buchcover: CHINABOX. Neue Lyrik aus der Volksrepublik

"Schlaf kann man nicht erben" von Lü Yue

Die promovierte Literaturwissenschaftlerin Lü Yue lebt in Beijing als Journalistin.
Sie wird neben 11 anderen chinesischen Dichtern und Dichterinnen in der Anthologie CHINABOX vorgestellt.

Lü Yue wurde 1972 geboren und gehört zu einer neuen Generation von Lyrikerinnen aus dem Reich der Mitte, die sich unter dem Einfluss der westlichen Moderne auf neue lyrische Pfade begeben hat, ohne das traditionelle chinesische Erbe zu vernachlässigen.

Auch diese Sammlung zeitgenössischer Dichtkunst, diesmal aus China, kann man gar nicht genug wertschätzen. Selbst auf die Gefahr hin, dass der Rezensent sich wiederholt, - zeitgenössische Lyrik-Sammlungen aus anderen Ländern, wenn auch nicht repräsentativ, sind immer interessant! Denn sie geben uns einen kleinen, aber feinen Eindruck davon, was anderswo Dichterinnen und Dichter umtreibt.

In diesem Fall wurde Frau Lü Yue auserwählt, die für ihre Verswerke auch schon den Luo-Yihe-Lyrikpreis bekommen hat. Dieser Preis ist eine bedeutende chinesische Auszeichnung für Poeteninnen und Poeten, was davon zeugt, dass Lü Yue in ihrem Land mehr als nur zur Kenntnis genommen wird.

Lü Yue schreibt sehr intensive, mitunter sarkastische Gedichte. Über gesellschaftliche Fehlentwicklungen, überkommene Traditionen, politische Ereignisse, alltägliche, verstörende Gewaltakte oder Beziehungsthemen, all das macht sie zu Lyrik. Ihr sprachliches Material findet sie in journalistischen Nachrichten, die sie so umbaut, dass wunderbare Gedichte entstehen. Lyrik aus dem Hier und Jetzt, außerdem hervorragend übersetzt.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
CHINABOX. Neue Lyrik aus der Volksrepublik
Zweisprachig Chinesisch / Deutsch
Herausgeberin Lea Schneider
Übersetztung: Marc Hermann; Daniel Bayerstorfer; Yao Chang Pei; Lea Schneider
Verlagshaus Berlin, ReiheEdition Polyphon, 190 Seiten, 24.90 Euro

Stand: 09.02.2017, 15:32