Live hören
Leonardo - Wissenschaft und mehr Redaktion: Ehmer

Welches Tier ist das?

Schüler sitzen in einer Mensa an einem Tisch mit ihrem Mittagessen

Studie zum Schulessen

Welches Tier ist das?

Von Sarah Ziegler

Den Geschmäckern hunderter Schüler gerecht werden und dabei gesunde und ausgewogene Menüs servieren - keine leichte Aufgabe, die Caterer und Schulen da haben. Wie gut sie die bewältigen, hat die bisher größte bundesweite Studie dazu ermittelt.

Wird eine Schule zur Ganztagsschule, müssen nicht nur Lehrkonzepte verändert und Betreuungskräfte organisiert werden. Auch eine Mensa muss her, um die Schüler mittags mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Das Essen dort sollte gesund, ausgewogen und schmackhaft sein.

Schon viele Studien haben sich mit der Qualität der Schulverpflegung auseinander gesetzt – nun hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Ergebnisse der bisher größten bundesweiten Befragung vorgestellt. Aus ihr geht hervor: Die Qualität des Essens wird zu selten kontrolliert.

Konsequent kontrollieren

Für Schulen ist die Umstellung auf den Ganztag ein Lernprozess. Vorher gab es vielleicht schon ein Schulkiosk mit Snacks, doch ein warmes Mittagessen stellt ganz neue Herausforderungen an die Schulen. Meist kaufen die Schulträger dafür die Leistungen von Caterern ein – allein schon, weil im eigenen Haus eine Großküche fehlt. Es gilt also, Verträge abzuschließen. Und die sind oft nicht präzise genug, offenbart die aktuelle Studie.

Mensa Schulessen

Zu wenig Kontrolle der Qualität

So nutzen in NRW nur 41 Prozent der befragten Schulträger ein genaues Leistungsverzeichnis, um bestimmte Qualitätsmerkmale mit ihren Lieferanten abzustimmen. Nur 19 Prozent der Träger legen vertraglich fest, dass die Qualität regelmäßig kontrolliert wird.

Für diese Kontrolle könnten die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) genutzt werden. Sie beschreiben als eins von mehreren deutschen Modellen eine gesunde und ausgewogene Ernährung für Kinder und Jugendliche. Doch knapp der Hälfte der deutschen Schulen sind sie gar nicht bekannt.  

Essen kennzeichnen

Für die Studie wurden auch Wochenspeisepläne vieler Schulen mit den Qualitätsstandards der DGE verglichen. Dabei zeigte sich, dass die Schüler oft nur auf Nachfrage erfahren können, was in ihrem Essen alles drin ist.

In 39,3 Prozent der Fälle wurde die Tierart des angebotenen Fleisches nicht angegeben, bei mehr als drei Vierteln der Speisepläne waren keine Allergene gekennzeichnet und auch Infos zu Zusatzstoffen fehlten bei 47,1 Prozent der Pläne. Nur knapp die Hälfte der Schulen bietet außerdem täglich eine vegetarische Alternative an. Im Rahmen der Ernährungsbildung sind solche Informationen und Möglichkeiten aber wichtig.

Kritisiert werden kann auch, dass die Auswahl an vielen Schulen nicht besonders üppig ist. So sagten 49 Prozent der Grundschüler, dass es bei ihnen nur ein Gericht zur Auswahl gebe. Erst an den weiterführenden Schulen wird es vielfältiger.

Auch eine Preisfrage

Nicht alle Kinder und Jugendlichen an Ganztagsschulen essen dort auch zu Mittag – selten ist das Schulessen verpflichtend. Viele essen daheim später warm, wollen nur einen kleinen Snack oder die Pause lieber anders nutzen.

Essen an Erstklässler wird in einer Schulmensa ausgegeben

Warmes Mittagessen für alle - eine neue Herausforderung für die Schulen

Schulleiter fürchten, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien, die gerne mitessen würde, es oft nicht tun. Ein Grund dafür könnte sein, dass die bürokratischen Hürden für individuelle Zuschüsse auch mit dem Bildungs- und Teilhabepaket für manche Eltern immer noch zu hoch sind.

Ob ein Mittagessen in der Schule preiswert ist oder nicht, hängt auch von den generellen Zuschüssen ab, die der Schulträger für jedes Essen zahlt. In Bremen ist dieser Betrag mit 2,50 Euro am höchsten; in manchen Ländern wie Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern werden Essen an weiterführenden Schulen gar nicht bezuschusst. Im Schnitt zahlt jeder Grundschüler 2,83 Euro für sein Essen, jeder Sekundarschüler 3,05 Euro.

Ernährungs-TÜV einrichten

Gerade die Qualitätssicherung will auch das Bundeslandwirtschaftsministerium verbessern. Geplant ist demnach, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als Nationales Qualitätszentrum Schulessen auszuweisen. Für Caterer und Lieferanten soll das zukünftig bedeuten, dass sie sich als Schulanbieter qualifizieren müssen, bevor sie liefern dürfen.

Auch Schüler sollen stärker mitreden dürfen und regelmäßig nach ihrer Meinung zum Essen befragt werden. Die nächste große Nachfrage-Studie des BMEL ist für den Zeitraum 2016-2020 geplant.

Redaktion:
Rainer Marquardt

Stand: 25.11.2014, 16:05