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Der meiste Müll bleibt unsichtbar

Studie: Plastikmüll in Ozeanen

Der meiste Müll bleibt unsichtbar

Von Jonathan Focke

Fast 270.000 Tonnen Plastikmüll treiben auf den Weltmeeren. Doch das ist nur die Menge an der Wasseroberfläche. Die tatsächliche Müllmenge in den Ozeanen ist vermutlich um ein Vielfaches höher.  

Knapp 40.000 Müllwagen könnte man mit dem Plastikmüll füllen, der weltweit auf den Ozeanen treibt. Insgesamt schwimmen über 5 Billionen Plastikteilchen auf dem Wasser, berichten jetzt Forscher in einer aktuellen Studie im Fachblatt PLOS One. In 24 Expeditionen haben Wissenschaftler Plastikmüll mit feinen Netzen aus dem Wasser gefischt, um so die Gesamtmüllmenge abschätzen zu können. Die Studie zeigt vor allem, wie sich das Plastik, das an den Küsten ins Wasser gelangt, mit der Zeit auf allen Weltmeeren ausbreitet. Obwohl der meiste Müll auf der Nordhalbkugel produziert wird, fanden die Forscher auf den Meeren der Südhalbkugel fast genau so viel Plastik wie in der nördlichen Hemisphäre. Die Müllpartikel sammeln sich dabei vor allem in den gigantischen Meereswirbeln in den Subtropen, fernab ihrer Entstehungsorte.

Winzige Partikel

Bei etwa 90 Prozent der gefundenen Plastikteile handelt es sich um sogenanntes Mikroplastik, kleinste Teilchen, die oft nur bis zu einen Millimeter messen. Sie entstehen, wenn größere Plastikteile verwittern und zerbröseln. Das Problem: Wegen ihrer geringen Größe können sie leicht von Fischen und andere Meerestieren aufgenommen werden und sich in deren Organismus anlagern. Häufig heften sich organische Abfallstoffe und Gifte an die Teilchen und gelangen so mit dem Plastik in die Nahrungskette. Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, dass das Mikroplastik auch von Fischarten gefressen wird, die industriell gefangen werden. So könnte das Plastik auch bei uns auf dem Teller landen, einen wissenschaftlichen Beweis gibt es dafür aber noch nicht.

Das Plastik sinkt ab

Tatsächlich könnte die Menge an Plastikmüll in den Meeren die jetzt geschätzten 270.000 Tonnen um ein Vielfaches übertreffen. So haben die Forscher in ihrer Studie nämlich nur den Müll berücksichtigt, der direkt auf der Wasseroberfläche treibt. Andere Wissenschaftler schätzen, dass insgesamt über 100 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen treibt. Jedes Jahr kämen 10 Millionen Tonnen dazu. Die Forscher vermuten, dass der allergrößte Teil der winzigen Plastikteile mit der Zeit in tiefere Meeresschichten absinkt. Sie lagern sich am Meeresboden ab oder werden von Tieren aufgenommen. Große Mengen des Plastikmülls werden auch an die Strände gespült. Allein an der deutschen Nordseeküste haben Forscher im Schnitt 70 Plastikteile pro Meter Strand gezählt. Viele Müllpartikel sind so klein, dass man sie von Sandkörnern kaum noch unterscheiden kann.

Redaktion:
Maike Westphal

Stand: 11.12.2014, 16:05