Kirchenrechtler beraten Ehe-Annulierung

Frisch verheiratete Paare im Gespräch mit Papst Franziskus nach der wöchentlichen Audienz im Vatikan.

Verfahren vereinfacht

Kirchenrechtler beraten Ehe-Annulierung

Von Theo Dierkes

Für die katholische Kirche ist die Ehe unauflöslich - im Prinzip. Unter bestimmten Voraussetzungen ist sie aber doch bereit, eine Ehe zu annullieren. Im September 2015 hat Papst Franziskus entschieden, das Verfahren zu vereinfachen.

Katholische Ehen können nach dem Willen des Papstes jetzt leichter für ungültig erklärt werden. Der Vatikan stellte dazu zwei Apostolische Schreiben (Motu Proprio) von Papst Franziskus vor.

Zentrales Element ist, dass Ehen schon in erster Instanz von einem kirchlichen Gericht oder auch einem Bischof annulliert werden können, eine zweitinstanzliche Entscheidung also nicht mehr zwingend erforderlich ist. Der bisher übliche automatische Einspruch gegen eine solche Entscheidung entfällt.

Hochzeit in der Kirche wieder möglich

Hochzeitspaar

Eine Hochzeit ist immer ein besonderes Ereignis, egal, in welchem Alter

Zwar war es schon bisher nach kanonischem Recht möglich, Ehen unter bestimmten Voraussetzungen für ungültig zu erklären. Nach einer solchen Annullierung können die ehemaligen Partner erneut kirchlich heiraten. Eine Eheannullierung war aber bislang so kompliziert und auch langwierig, dass sie für viele Katholiken unerreichbar blieb.

Nach den letzten vorliegenden Angaben für das Jahr 2013 wurden laut der Deutschen Bischofskonferenz in Deutschland lediglich 740 katholische Ehen annulliert.

Künftig kann der Prozess sogar schon nach 45 Tagen beendet sein. Zur Geschwindigkeit beitragen kann dabei auch die Neuregelung, dass der Ortsbischof selbst in dem Verfahren entscheidet. Dafür ist es allerdings nötig, dass beide Partner die Annullierung beantragen oder der andere Partner dem Antrag zumindest zustimmt.

Regel ab Dezember

Ein Braupaar steht während der Eheschließung von 20 Paaren im Petersdom in Rom vor Papst Franziskus.

Eheschließung im Petersdom in Rom

Die neue Regelung des Kirchenrechts tritt am 8. Dezember in Kraft. Dann beginnt das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Die neuen Richtlinien erschienen wenige Wochen vor der Synode im Vatikan, bei der Kirchenführer aus aller Welt vom 4. bis 25. Oktober über Fragen von Ehe und Familie berieten. Papst Franziskus hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt, einfachere Regeln anzustreben. Eine Sonderkommission hatte sich mehrere Monate lang mit der Reform des kirchlichen Eherechts befasst. Eine erste Bischofssynode zum Thema Familie im Herbst 2014 hatte die Veranfachung angeregt.

Es geht auch ohne Ehegericht

Kirchengericht

Kirchengerichte wie das Kölner Offizialat verhandeln ihre Prozesse unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der Papst verfügte zudem, dass in Bistümern ohne Ehegericht der Bischof entweder selbst entscheiden oder einen Priester und zwei Assistenten mit der Behandlung des Falles beauftragen kann. Dies ist vor allem für ärmere Länder wichtig, wo es solche Gerichte häufig nicht gibt. Auf Gebühren soll verzichtet werden. Die Antragsteller sollen lediglich für die Personalkosten aufkommen.

An der Unauflöslichkeit der Ehe und damit dem Verbot der Ehescheidung hält der Vatikan indes unverändert fest. Franziskus betonte, es gehe nicht um Scheidungen, sondern um Gerechtigkeit und das Seelenheil der Gläubigen.

Kirchenrechtler berieten in Augsburg

Die jährliche kirchenrechtliche Tagung "De Processibus Matrimonialibus" (von den Ehegerichts-Prozessen) fand am 26. und 27. November 2015 in Augsburg statt. Sie wird seit 1994 jährlich veranstaltet von dem Kirchenrechts-Professor Elmar Güthoff. Er arbeitet sowohl an der LMU München als auch an der Universität Augsburg. Es kamen rund hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Italien, Ungarn, Österreich, Polen, der Schweiz, den Niederlanden und Spanien. "De Processibus Matrimonialibus" ist vor allem als wissenschaftliche Fortbildung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kirchlicher Gerichte. WDR5-Gesprächspartner Prof. Klaus Lüdicke hielt dort einen Vortrag zur Reform der Ehenichtigkeitsverfahren.

Redaktion: Theo Dierkes


Stand: 29.11.2015, 09:20