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Famose Landkarten für jeden Zweck

Erstellung der OpenStreetMap mit einem GPS-Gerät [M]

Service Mobil - OpenStreetMap

Famose Landkarten für jeden Zweck

Von Martin Gent

OpenStreetMap begann vor fast zehn Jahren als "weißes Blatt". Inzwischen haben die von Freiwilligen gesammelten Kartendaten vielerorts eine sehr hohe Qualität. Und es gibt OSM-Spezialkarten für jeden Zweck.

Der Ritterschlag erfolgte Anfang 2012. Wissenschaftler der Abteilung Geoinformatik der Universität Heidelberg prognostizierten, dass das OpenStreetMap-Kartenmaterial dabei sei, das kommerzielle Angebot der Tom-Tom-Tochter Teleatlas zu überholen. Seit 2007 vergleichen die Forscher das von engagierten Laien zusammengestellte Kartenmaterial des Internetprojektes mit kommerziellen Landkarten.

Beachtliche Fülle ohne letzte Sicherheit

Tatsächlich haben die Karten von OpenStreetMap inzwischen eine bemerkenswerte Qualität erreicht. Das Projekt ist in gewisser Hinsicht vergleichbar mit Wikipedia: Wird dort in einem kollaborativen Prozess eine Enzyklopädie unfassbarer Fülle zusammengetragen, so ist OpenStreetMap ein inzwischen riesiges Gemeinschaftswerk in Sachen Landkarte. Wie Wikipedia geht auch OpenStreetMap mitunter sehr ins Detail. Andererseits mangelt es an manchen Stellen auch an Verlässlichkeit. Redaktionell geprüft werden die Einträge nicht. Und so kann es auch mal sein, dass ein Weg eingezeichnet ist, den man beim besten Willen kaum laufen kann. Das passiert einem kaum bei amtlichen Karten, die regelmäßig und systematisch vom topographischen Dienst überprüft werden. Allerdings können die Geodienste auf Landes-, Kreis- und Stadtebene schon aus personellen Gründen nicht in jener Fülle Kartendaten erfassen, wie das ein Heer von Freiwilligen tut.

Keine Karte, sondern eine Datenbank

Früher wurden Landkarten gezeichnet oder auch am Leuchttisch in Folien graviert. Immer noch gibt es solche manuell erstellten Karten, die gescannt auch digital verfügbar sind. Man spricht dann von Rasterkarten. Sie sehen schön aus, werden aber beim Hineinzoomen nicht genauer, sondern pixelig.

Ganz anders funktioniert OpenStreetMap. Als das Projekt 2004 von Steve Coast in London ins Leben gerufen wurde, war längst das Zeitalter der Vektorkarten angebrochen. Diese digitalen Karten basieren auf einer großen Datenbank, in der jeder Linienzug (Straße, Weg, Höhenlinie) und jedes Objekt (Haus, See, Fabrik) mit seinen genauen Koordinaten und Eigenschaften beschrieben ist. Die Karte entsteht erst, indem ein Computerprogramm die Einträge dieser Datenbank interpretiert. Je näher man reinzoomt, umso genauer wird die Darstellung.

Kleine Beiträge vieler Freiwilliger speisen weltweites Kartenwerk

Weil Kartendaten oft urheberrechtlich geschützt sind, darf man sie nicht einfach kopieren. Auch Nachzeichnen ist nicht immer statthaft. Deshalb kommen die Kartendaten für OpenStreetMap von vielen Freiwilligen, die mit ihren GPS-Geräten die Gegend erkunden, die beschrittenen und befahrenen Wege registrieren und hinterher am PC in die OpenStreetMap-Datenbank einspeisen. Dabei werden die registrierten "Tracks" dann auch mit weiteren Informationen versehen, zum Beispiel, ob es sich um einen Weg oder eine Straße handelt, wie die Straße heißt, ob es eine Einbahnstraße ist und so fort. Oft trafen und treffen sich OpenStreetMap-Begeisterte zu "Mapping Parties", wo sie sich gezielt weiße Flecken in OpenStreetMap vornehmen, um das Wegenetz zu vervollständigen. Einen nennenswerten Beitrag zur inzwischen hohen Qualität von OpenStreetMap dürften aber auch Kartendaten-Spenden öffentlicher Institutionen leisten. Beim OpenStreetMap-Stammtisch Bonn ist beispielsweise zu lesen, dass in Nordrhein-Westfalen jetzt auch die amtlichen Karten des neuen NRW-Atlas für OpenStreetMap benutzt werden dürfen.

Intuitive Benutzerführung

OpenStreetMap ist ein weltweites Projekt, dennoch empfiehlt sich als erster Anlaufpunkt nicht die internationale Seite openstreetmap.org, sondern die deutsche Seite openstreetmap.de. Wer dem Link "Wo geht's zur Karte?" folgt, landet gleich auf auf einer Deutschlandkarte. Oben in der Suchzeile kann man einen Ort oder eine Adresse eingeben. Ist die Eingabe eindeutig, zoomt die Karte gleich dort hin. Anderenfalls werden alle Treffer zur weiteren Auswahl links angezeigt.

Wie von Google-Maps gewohnt, kann man die Karte mit der Maus verschieben, durch Drehen des Mausrades zoomen. Gerade in der Nahansicht zeigt sich die Datenfülle von OpenStreetMap. Eingetragen ist jeder Pfad, fast jedes Café, viele Läden.

Vielfalt der OpenStreetMaps

Die Klickbox oben rechts zeigt schon, dass es nicht eine OpenStreetMap, sondern viele OpenStreetMaps gibt. Je nach Verwendungszweck werden verschiedene Elemente der Kartendatenbank ausgespielt. Radfahrer sind zum Beispiel an Fahrradrouten und Radwerkstätten interessiert, deshalb stehen diese Informationen bei der Radfahrkarte (OpenCycleMap) im Vordergrund. Auch wer mit Bus und Bahn unterwegs ist, bekommt bei OpenStreetMap wertvolle Hilfe, nämlich bei der ÖPNV-Karte. Auch sie ist erreichbar über das Kästchen oben rechts. So ist es zum Beispiel leicht, eine Buslinie zu finden, die vom Wanderziel wieder nach Hause führt. Allerdings sollte man sich auf die Einträge nicht blind verlassen. Noch sind nicht alle Verbindungen eingetragen und auch den Fahrplan checkt man besser parallel auf der Seite des Verkehrsverbundes oder der Deutschen Bahn (bahn.de).

Spezialitäten für jeden Zweck

Wer gerne wandert, ist vielleicht an waymarkedtrails.org interessiert. Diese Ausspielung von OpenStreetMap beinhaltet viele markierte Wanderwege. Im Handumdrehen kann man so zum Beispiel den Verlauf des Rheinsteigs (rechtsrheinisch) oder des Rheinburgenweges (linksrheinisch) nachvollziehen. Interessant ist auch Nop's Reit- und Wanderkarte. Das Spezialangebot unter wanderreitkarte.de richtet sich an Wanderreiter, ist aber auch für Wanderer und Spaziergänger interessant, zumal auch hier viele markierte Wege eingetragen sind.

Wanderer und Radfahrer sind Zielgruppe der hikebikemap.de, während Skifahrer bei openpistemap.org auf ihre Kosten kommen. So gibt es Angebote für fast jede Sportart und Freizeitbeschäftigung. Einen Vergleich verschiedener Karten ermöglicht sautter.com/map/, eine Übersicht bietet www.itoworld.com/map/main.

Redaktion:
Ruth Schulz

Stand: 20.01.2014, 16:05