Sie werden navigiert, nur von wem?

Fahrzeuge stauen sich im Berufsverkehr

Deutscher Mobilitätskongress

Sie werden navigiert, nur von wem?

Von Martin Gent, Wissenschaftsredaktion WDR 5

Im Auto lotst das Navi von A nach B. Moderne Mobilität verkettet die Verkehrsmittel, da muss das klassische Navi passen. Aber Google hat eine Idee und den Fuß längst in der Tür.

Verbindung von Tür zu Tür, das konnte die Bahn mit "m.bahn.de" schon als das Smartphone noch Handy hieß. Aber gemischt nur öffentliche Verkehrsmittel, also Züge, Bahnen und Busse. Ja, der Weg zur Haltestelle - zu Fuß oder mit dem Rad - ist drin. Passen muss die Bahnseite bei Call-a-Bike, CarSharing, Fernbus, Mitfahrzentrale und Flugzeug.

Das Beste aus allem

Nur wer zwischen all dem wählen kann, ist wirklich mobil. Oft sind erst in der Kombination aller Privatauto-Alternativen Mobilitätsketten möglich, die in Sachen Tempo, Komfort und Preis die Autofahrt schlagen können. Die Bahn hat inzwischen nachgelegt: "Qixxit.de"‎ soll alles können. Das Angebot gibt es im Web und als App. "Einfach unterwegs von Tür zu Tür. Alle Verkehrsmittel, alle Strecken", so lautet das Versprechen. Ähnliches versucht die App MOOVEL von Daimler, Motto: " Hallo! Wo soll es hingehen?".

Beim 2. Deutschen Mobilitätskongress in Frankfurt ging es unter dem Titel "Mobility 4.0 - Datenfluss und Mobilität" auch um den Wettlauf der Systeme.

Google macht Dampf

Ein Vortrag von Nicolas Heyer, Google Germany GmbH, "Mobilitätskonzepte durch Big Data" am Mittwoch wirkte auch noch am Donnerstag nach. Wenn Google ins Mobilitätsgeschäft will, nehmen das alle sehr ernst. Google entwickelt Roboterautos, die autonom von A nach B fahren. Google hat mit Google-Maps schon Routenplaner für Auto, Fahrrad, Bus und Bahn. Wenn der Softwaregigant - wie bei Google Transit - das alles vernetzt, könnte sehr schnell etwas herauskommen, was gut funktioniert und extrem praktisch ist.

Smart Data und alles in Echtzeit

Google hat ein Trumpf in der Tasche: Millionen Menschen nutzen Google Smartphone Betriebssystem Android und Gmail für die elektronische Post. Die Daten der Nutzer helfen schon, staunende Blechlawinen zu erkennen. Wer mit seinem Phone bei Google eine Verbindung sucht, könnte später bei der Fahrt "freiwillig“ Infos zur Pünktlichkeit von Bus und Bahn liefern. Geschickt in die Algorithmen integriert, werden die Auskünfte verlässlicher, und Google irgendwann unerlässlich.

Wer navigiert lenkt die Mobilität

Mehr Auswahl bei den Verkehrsmitteln bedeutet mehr Entscheidungsspielraum. Und weil ein Dschungel von Angeboten eher lästig ist, treffen die App-Algorithmen eine Vorentscheidung. Und bestimmen damit, welche Mobilitätsanbieter das Rennen macht: Nutze ich Carsharing? Oder fahre ich mit dem Fahrrad zum Bahnhof? Nehme ich ein Taxi, Uber oder die Straßenbahn? Steige ich in den Fernbus oder in den ICE?

Informieren, Buchen, Bezahlen

Die große Sorge: Während die ÖPNV Branche noch über Schnittstellen diskutiert, ist Google mit seiner Anwendung am Markt und lenkt unsere Wege. Noch hat die ÖPNV-Branche Google etwas voraus. Die Bahn zum Beispiel kann zu den Infos gleich das passende Ticket verkaufen. Doch ein bunter Zoo verrückt komplizierter Tarifsysteme und ein endloser Streit um die Aufteilung der Fahrgeldeinnahmen, verhindert eine schnelle Brancheneinheitliche Lösung. Und das wollen die Menschen, nicht irgendwelche Tarifzonenpläne studieren oder sich mit Übergangstarifen zwischen VRS und VRR herumschlagen.

Mobilitätskarte wird Weichen stellen

Es ist damit zu rechnen, dass es bald Mobilitätskarten gibt, vielleicht sogar ins Smartphone integriert, die eine Art Türöffner sind für die verschiedenen Mobiliätsangebote. Eine Art elektronisches Ticket für Bus und Bahn, für Carsharing, fürs Mietfahrrad, fürs Parkhaus.

Eine Frage ist wer diese Karte den Menschen anbietet: Verkehrsunternehmen, Automobilfirmen, oder Seiteneinsteiger in den Verkehrsmarkt wie Google? Die Auskunft geben und gleich einbuchen in die Mobilitätskette: noch kann das keiner.  Aber wer hier zuerst den Fuß in der Tür hat, wird unsere Verkehrsmittel-Wahl maßgeblich beeinflussen.

Stand: 14.11.2014, 16:05