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Helfer, aber keine Nachhilfe

Frau mit kleinem Jungen vor einem großen Bücherregal und lesen

Service Bildung - Lesementoren

Helfer, aber keine Nachhilfe

Von Karl-Heinz Heinemann

Sie sind keine kostenlosen Nachhilfelehrer, sondern Mutmacher und Ansprechpartner. Lesementoren betreuen Kinder in der Schule. Sie helfen beim Lesenlernen, spielen und sprechen vor allem auch viel mit den Schülern.

In der ersten PISA-Erhebung gaben 61 Prozent der Jungen an, noch nie aus eigenem Antrieb ein Buch gelesen zu haben. Das bedeutet auch: Sie haben oft Probleme mit der Ausdrucksfähigkeit und werden sich nicht so leicht einen großen Wortschatz aneignen. Die Fähigkeit "Lesen" könnte ihnen helfen, ihre Welt besser zu begreifen und zu gestalten.

Die Idee zum Projekt "Lesementoren" entstand vor zehn Jahren in Hannover. Ein Buchhändler begann damit, mit einzelnen Schülern zu lesen, mit ihnen über den Inhalt der Bücher zu sprechen, und so ganz unabhängig vom Schulunterricht ihre Lese- und Sprachfähigkeiten zu fördern.

Das Prinzip: Eins-zu-Eins-Betreuung

Lesementoren sind keine Nachhilfe, keine Hausaufgabenbetreuung oder Ersatz für Förderunterricht. Die dauerhafte Eins-zu-Eins-Betreuung eines Mädchens oder eines Jungen durch einen Lesementor oder eine Lesementorin unterscheidet das Projekt von anderen Leseförderungsprojekten. Der Kern dieses ehrenamtlichen Projektes ist der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Kind und Lesementor, in der ohne Leistungsdruck die Freude und der Spaß am Lesen im Vordergrund stehen. Die Mädchen und Jungen werden von ihren Lehrerinnen oder Lehrern für das Projekt vorgeschlagen. Mit der Zustimmung ihrer Eltern treffen sich die Kinder und ihre Mentoren freiwillig in der Schule - außerhalb des Unterrichts . Die gemeinsamen Lesestunden dauern zwischen 45 und 60 Minuten und finden einmal in der Woche – außer in den Schulferien – statt.

Bundesweite Mentorenbewegung

Mittlerweile ist aus der Hannoveraner Initiative eine bundesweite Bewegung geworden. Allein in Köln sind es rund 500 Lesementoren, die an rund 100 Schulen mit Schülern arbeiten. Meistens sind es Grundschulen, und sehr häufig Kinder, deren Muttersprache eine andere als Deutsch ist. Es sind mehr Jungen als Mädchen, die an den Schulen von ihren Lehrerinnen für diese Förderung ausgesucht werden.

Viele Mentoren sind im Ruhestand, zu 80 Prozent sind es Frauen, die sich um die Kinder kümmern. Von dem Lesementorenprojekt können auch die Mentoren profitieren: Sie erfahren durch die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, dass ihre Kompetenz gefragt ist, ihre Lebenserfahrung geschätzt wird und sie sich effektiv für das Miteinander der Generationen in der Gesellschaft einsetzen können.

Lesementor Köln

LESEMENTOR Köln besteht seit Frühjahr 2010 und richtet sich an Mädchen und Jungen zwischen 8 und 16 Jahren. Die Initiative koordiniert und betreut die Arbeit der Lesementoren. Wichtig ist, dass die Ehrenamtlichen durch LESEMENTOR Köln eine verpflichtende Grundqualifizierung erhalten, bevor sie ihren Einsatz an den Schulen beginnen.

Möglichkeit des Engagements

Wer gern Lesementor werden möchte, sollte selbst gern lesen und gern mit Kindern umgehen, Spaß am Umgang mit Sprache haben und gut zuhören können. Außerdem sollten man jungen Menschen helfen wollen, erfolgreich zu sein, und bereit sein, Verantwortung für einen jungen Menschen zu übernehmen. Es werden keine pädagogischen Kenntnisse vorausgesetzt.

Redaktion:
Angelika Böhrke

Stand: 13.03.2014, 16:05

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