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Für mehr Verständlichkeit

Hand auf Text

Service Bildung - Leichte Sprache

Für mehr Verständlichkeit

Von Michael Hollenbach

Viele Texte sind schwer zu verstehen: Anträge, Gesetze, Briefe vom Amt. Das Netzwerk "Leichte Sprache" möchte, dass mehr Texte in einfacher Sprache geschrieben werden. Das hilft Menschen mit Lernproblemen – aber auch allen anderen.

Seit 2011 die sogenannte "Barrierefreie Informationstechnikverordnung" erlassen wurde, sind zumindest die Bundesbehörden verpflichtet, ihre Inhalte möglichst verständlich zur Verfügung zu stellen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Büros für "Leichte Sprache", die "Dolmetscherdienste" leisten und sich in einem Netzwerk zusammengeschlossen haben.

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Zu diesem Netzwerk gehört auch das Kompetenzzentrum "Leichte Sprache" in der Evangelischen Stiftung Volmarstein in Wetter. Das Team um die gelernte Mathematikerin Annika Nietzio berät Organisationen, Kommunen und auch die Landesregierung, wie man selbst komplizierte Inhalte verständlich ausdrücken kann. Denn Menschen mit Lernschwierigkeiten geraten leicht ins Stolpern, sagt Annika Nietzio. Oft würden sie die Bedeutung bestimmter Wörter nicht erkennen, sodass sich ihnen der Sinn eines Satzes nicht erschließt. Und gerade in der deutschen Schriftsprache gibt es oft lange Sätze, deren Inhalt für viele Menschen schwer zu entschlüsseln sei.

Lernbehinderte als Experten

Annika Nietzio arbeitet mit geistig- und lernbehinderten Menschen zusammen. Sie wissen, welche Wörter man besser vermeidet, wann ein Satz zu lang ist und welches Wort möglichst mit Bildern erklärt werden sollte. Entscheidend dafür, ob etwas wirklich als "Leichte Sprache" gelten kann, ist das "Grüne Licht" durch die lernbehinderten Testpersonen. Übrigens: der Ausdruck "Grünes Licht" würde durchfallen, da auf Methaphern verzichtet wird.

Leichte Sprache liegt im Trend

Mittlerweile gibt es die Fußballregeln, Bibelgeschichten, Unterhaltungsliteratur und auch Nachrichten in leichter Sprache. Entscheidend beigetragen zu dieser Verbreitung hat das Netzwerk "Leichte Sprache", ein Zusammenschluss verschiedener Initiativen. Eine der Sprecherinnen des Netzwerks ist die Münsteranerin Gisela Holtz. Vor sieben Jahren seien sie noch als Pioniere Einzelkämpfer gewesen. Doch mittlerweile habe man gemeinsam feste Regeln entwickelt, um einen bestimmten Standard einzuhalten.

Einfache Wörter, keine Fachbegriffe

Zu diesen klaren Regeln gehört: einfache Wörter, geläufige Wörter und ein reduzierter Wortschatz. Außerdem sollten die Wörter möglichst kurz sein, nicht mehr als zwei Silben haben, keine zusammengesetzten Hauptwörter, keine Fremdwörter, keine Fachbegriffe, sondern Wörter aus dem Alltag.

Für jeden gut

"Leichte Sprache" ist nicht nur für Menschen mit geistiger Behinderung sinnvoll, sagt Elisabeth Otto von dem Bremer Büro. Im Grunde genommen sei "Leichte Sprache" für jeden Menschen gut, denn jeder habe Probleme, bestimmte Texte zu lesen. Man denke nur an die Steuererklärungen oder das Medizinerlatein. Das Netzwerk ist vor allem auch für jene Menschen sinnvoll, die in der Schule nur rudimentär Lesen und Schreiben gelernt haben, das aber kaum noch beherrschen. In Deutschland gibt es 7,5 Millionen dieser funktionalen Analphabeten. Und gerade für diese Menschen ist die "Leichte Sprache" ein Segen.

Redaktion:
Maike Westphal

Stand: 15.01.2015, 16:05

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