Das Problem sind die Autos

Kraftfahrzeuge auf der Straße

Kommentar - IAA-Besuchertage

Das Problem sind die Autos

Von Lioba Werrelmann

Auf der IAA beginnen heute (19.09.2015) die Besuchertage. Im Trend sind vor allem vernetzte und automatisierte Autos. Was hilft´s, wenn Autofahren bequemer wird, die Umweltprobleme löst das nicht.

Als Carl Benz 1886 das erste moderne Automobil mit Verbrennungsmotor entwarf, da war das ein echter, gigantischer Fortschritt. Das Auto löste das Pferdefuhrwerk ab. Eine Errungenschaft, die die Welt veränderte.

Heute ist Autofahren nur noch gestrig. Es gibt ja auch keine wirkliche Fortentwicklung. Im Gegenteil. Am alten Prototyp Auto wird einfach nur weiter geschraubt. Autos werden immer größer und immer schwerer. Sie werden auch immer bequemer, weil sie immer mehr alleine können. Das hilft beim Abstandhalten und beim Einparken. Gegen eine verpestete Umwelt und verstopfte Innenstädte hilft es nicht.

Trotzdem ruft der zuständige CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt pünktlich zum Start der Internationalen Automobilausstellung ein neues Mobilitäts-Zeitalter aus. Der Mann ist nicht nur von gestern, er ist auch auf dem Holzweg.

Was, bitteschön, soll modern daran sein, wenn über eine Tonne Stahl in Gang gesetzt werden muss, um einen durchschnittlich siebzig Kilo schweren Menschen zu transportieren? Genau das passiert in Deutschland Tag für Tag millionenfach. Wenn Menschen mit dem Auto zur Arbeit fahren, zum Einkaufen, ihre Kinder zur Schule bringen. Mittlerweile betteln verzweifelte Schulrektoren darum, die Kinder nicht mit dem Auto bis vors Schultor zu fahren, zu viele andere Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, kommen dabei zu Schaden. Das ist doch alles irre. Von der Belastung für die Umwelt ganz zu schweigen.

Und selbst wenn moderne Autos manchmal ein kleines bisschen weniger Sprit verbrauchen – angesichts der Gesamtbilanz des Autoverkehrs bleibt einem das Wort "Energieeffizienz" im Halse stecken.

Es wird unendlich viel Grips und viel Geld verbraucht, um Autos zu verbessern. Warum denkt nicht endlich einmal jemand über echte moderne Transportsysteme nach. Was wir brauchen, ist ein Quantensprung, wie damals, 1886, vom Pferdefuhrwerk zum Auto. Heute ist das beste Auto das, das erst gar nicht gebaut wird.

Redaktion: Jonas Reese

Stand: 18.09.2015, 11:39