Folgenschwere Erderwärmung

Eisschmelze in der Antarktis

Neuer IPCC-Bericht zum Klimawandel

Folgenschwere Erderwärmung

Von Anne Preger

Die Folgen des Klimawandels sind längst sichtbar. Mensch und Natur werden sich an die fortschreitende Erwärmung anpassen müssen. Weil die Anpassungsfähigkeit sehr begrenzt ist, muss die Emission von Kohlendioxid, Methan und Co. drastisch reduziert werden.

Schmelzende Gletscher, ausgebleichte Korallenriffe, mehr Tropenstürme und öfter Hochwasser und Hitzewellen. Wir erleben die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels bereits jetzt überall auf der Erde. Das stellt der Weltklimarat IPCC fest und findet auch sonst in Yokohama klare Worte: Die Menschen sind bislang auf viele Klimafolgen nicht gut vorbereitet. Dabei besteht in vielen Bereichen die Möglichkeit vorzusorgen und auf die möglichen Gefahren durch die Klimaveränderungen zu reagieren. Doch je wärmer es wird, desto schwieriger wird die Anpassung für Menschen und Ökosysteme.

Keine Überraschungen

Inhaltlich bestätigt der neue Klimafolgebericht damit weitgehend die Erkenntnisse des Vorgängerreports von 2007. Beteiligte Wissenschaftler betonen aber, dass viele der Risiken sich inzwischen konkreter benennen und abschätzen lassen. Das Bild, das der neue Weltklimabericht zeichnet, ist also schärfer und wirkt auch deswegen erschreckender.

Abgesang auf Korallenriffe 

Besonders verwundbar sind die Meere in den Tropen. Das Treibhausgas Kohlendioxid wirkt hier nicht nur indirekt, indem es Luft und Wasser erwärmt, sondern auch direkt, indem es das Meerwasser versauert. Darunter leiden Korallenriffe bereits jetzt. Der IPCC-Bericht stellt klar heraus: Selbst wenn es auf der Erde bis 2100 "nur" zwei Grad wärmer wird, ist die Gefahr sehr groß, dass weite Teile der tropischen Riffe absterben. Das hätte nicht nur Folgen für die Tourismusbranche und lokale Fischer, sondern auch für andere Küstenbewohner. Denn tote Riffe werden mit der Zeit abgetragen und bieten weniger Schutz vor Sturmfluten, Tropenstürmen und Tsunamis. Der Bericht weist außerdem darauf hin, dass einige Fischarten inzwischen in kühlere Meeresregionen auswandern. Das lässt sich in der Nordsee und im Atlantik beispielsweise beim Kabeljau beobachten. Dramatische Folgen könnte die Wanderbewegung in Zukunft für Küstenfischer in den Tropen, z.B. in Indonesien, haben. Mit kleinen Booten können sie nicht in neue Fanggründe folgen.

Flucht vor der Wärme

Auch an Land beobachten Wissenschaftler, dass Tiere versuchen, der Wärme zu entfliehen, in dem sie Richtung Pole oder in kühlere Bergregionen wandern. Dort haben dann auch Samen kälteliebender Pflanzen eher eine Chance. Doch Bäume sind naturgemäß weit weniger mobil als Tiere. Ökosysteme sollten nicht durch Verschmutzung oder Zerteilung zusätzlich gestresst werden. Dann haben sie und ihre Bewohner eher die Chance, sich an den Klimawandel anzupassen, schreiben die Forscher vom IPCC.

Brennpunkt Arktis

Die Regionen im hohen Norden erleben einen besonders starken Temperaturanstieg. Schmelzendes Meereis, tauende Permafrostböden und einwanderndes Gestrüpp in der Tundra verändern unaufhaltsam einen riesigen Lebensraum für Menschen und Tiere. Der Weltklimabericht sieht hier kaum Chancen, durch Anpassungsmaßnahmen die Gefahren für Menschen zu verringern.

Steigende Pegel in Europa

In Europa bringt der Klimawandel in Zukunft laut IPCC eine Reihe von Herausforderungen mit sich. Es steigt die Gefahr durch Hochwasser an Flüssen und Überflutungen an der Küste. Je wärmer es wird, desto teurer werden die Schutzmaßnahmen. Vor allem in Südeuropa wird sehr wahrscheinlich der Wassermangel zu einem Problem. Weiterhin könnten Hitzewellen Ernten gefährden und Waldbrände begünstigen.

Armut erhöht die Risiken

Die Forscher stellen heraus, dass in Europa die Mittel und das Know-How vorhanden sind, sich an die neuen Herausforderungen anzupassen. In armen Regionen Afrikas, Amerikas und Asiens ist der Spielraum dafür deutlich kleiner. Zum einen steigen die Temperaturen dort zum Teil stärker als in den gemäßigten Breiten. Zum anderen sind dort bislang oft nicht genügend Gelder und Technologien vorhanden, um dem Klimawandel zu begegnen. Die Erwärmung dürfte Armut, Hunger, Krankheiten und Konflikte noch verschlimmern. Die Forscher sehen auch die Gefahr, dass der Klimawandel zu mehr Wanderbewegungen bei Menschen führt. Die Ernten werden global betrachtet durch den Klimawandel sehr wahrscheinlich stagnieren oder sinken. Dem steht der Hunger einer wachsenden Weltbevölkerung gegenüber.

Klimaschutz gleich Kinderschutz

Auch wenn die Menschheit ab sofort drastisch auf Treibhausgas-Diät setzt, wird sich das Ausmaß des Klimawandels bis 2040 kaum verändern. Die negativen Folgen der Emissionen aus der Vergangenheit wirken in absehbarer Zeit noch nach. Doch die Autoren der Arbeitsgruppe II des IPCC machen in ihrer Analyse deutlich, dass es für die Zeit nach 2040 einen dramatischen Unterschied macht, ob wir weiter wie bisher Kohlendioxid, Methan und Co. in die Luft blasen oder das Klima ab sofort besser schützen. Selbst in reichen Industrieländern gibt es Grenzen der Anpassungsfähigkeit an eine Welt, die drei oder vier Grad Celsius wärmer ist als heute. Wer künftigen Generationen eine lebenswerte Welt erhalten möchte, muss mit entschiedenem Klimaschutz jetzt beginnen.

Redaktion: Martin Gent

Stand: 31.03.2014, 16:05