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Schlechtes Schulessen verdirbt die Laune

Aufnahme eines Schülers, der gerade einen Teller in der Schulkantine bekommen hat

WDR 5 Thementag

Schlechtes Schulessen verdirbt die Laune

Das Essen ist in den meisten Schulkantinen in NRW schlecht. Das ergab eine Untersuchung des WDR. Während Ernährungswissenschaftler fehlende Nährstoffe bemängeln, klagen die Kinder über den schlechten Geschmack. Eine Schulsprecherin erzählt.

In fast allen Mensen in NRW zeigt sich das gleiche Bild: Die jüngeren Jahrgänge besuchen die Kantine, weil sie die Schule nicht verlassen dürfen. Oberstufenschüler trifft man dagegen kaum beim Essen. Sie dürfen sich auch außerhalb der Schule verpflegen, da locken Bäcker, Pommesbuden und Supermärkte. Alles beliebter als die Mensa. Schulsprecherin Elena Colmsee aus Recklinghausen erzählt im Interview über den Alltag in den Schulkantinen.

WDR 5: Gehen Sie selbst in die Mensa?

Elena Colmsee: Ich gehe wie die meisten älteren Schüler nicht in die Schulkantine. Denn in der Oberstufe hat man auch Unterricht an anderen Schulen und man darf das Gebäude verlassen. Die Schüler bis zur neunten Klasse oder an der Gesamtschule bis zur zehnten gehen in die Mensen, die älteren Jahrgänge in der Regel nicht.

WDR 5: Würden Sie denn gerne in die Schulkantine essen?

Colmsee: Nein, auf keinen Fall.

WDR 5: Gehen denn viele der jüngeren Jahrgänge in die Kantine oder nehmen sie lieber doch die Stulle von zu Hause mit?

Colmsee: Die meisten jüngeren Schüler haben keine wirkliche Wahl. Die Eltern arbeiten und sie sind deshalb in der Übermittagsbetreuung. Das heißt, sie müssen in die Mensa gehen.

WDR 5: Sie sind auch Schülersprecherin. Was sagen die Schüler an ihrer Schule über das Essen?

Colmsee: Die Klagen sind an allen Schulen gleich. Die jüngeren Schüler beschweren sich vor allem darüber, dass das Essen nicht lecker ist. Die älteren Jahrgänge achten häufig schon auf die Ernährung und bemängeln die Auswahl der Gerichte. Sie sind selten so gemacht, dass man sich nach der Mittagspause wieder gut konzentrieren kann. Man merkt, dass das Essen nicht frisch ist und häufig Fertigprodukte und Konservierungsstoffe verwendet werden.

WDR 5: Sie berichten, dass an allen Schulen gemeckert wird. Ist die Kritik am Essen möglicherweise auch eine ganz normale altersgerechte Nörgelei? Oder halten Sie die Kritik für berechtigt?

Colmsee: Ich kann die Kritik sehr gut nachvollziehen und sie ist auch berechtigt. Natürlich nörgelt ein Zwölfjähriger auch zu Hause einmal bei den Mahlzeiten. Aber es geht hier nicht nur um die Auswahl des Essens, wie es bei den Eltern meistens der Fall ist, sondern um die Qualität. Diese ist schlecht und wirkt sich unmittelbar auf die Laune und Konzentration der Schüler aus. Ich habe noch von keiner Schülerin oder keinem Schüler gehört, dass das Essen wirklich lecker schmeckt. Ich selbst koche mir zu Hause meine Verpflegung und nehme sie mit in die Schule.

WDR 5: Gab es denn Fälle, bei denen die Landesschülervertretung einschreiten musste?

Colmsee: An uns wurden noch keine konkreten Beschwerden gerichtet. Das liegt aber daran, dass es bildungspolitisch nicht das brennendste Thema ist. Außerdem sind durch die G8-Reform jetzt erst viele Mensen an die Schule gekommen sind. Meistens schauen die Schülervertreter vor Ort, was mit den Kommunen gemacht werden kann. Die Kommunen wählen die Betreiber aus.

WDR 5: Bedauern Sie, dass die schlechten Mensen schulpolitisch kein Thema sind? Müsste das auf die Tagesordnung der Kommunal- oder sogar der Landespolitik?

Colmsee: Es müsste auf jeden Fall auch landespolitisch weiter nach vorne gebracht werden. Wir haben bislang noch keine Anfragen vom Land dazu. Es wäre gut, wenn auch die Schüler zu Wort kommen und ihre Ideen einbringen könnten. Wenn sich die Landespolitik auf die Fahne schreibt, dass gesundes Essen wichtig ist für den Schulalltag, dann muss hier noch einiges passieren.

WDR 5: Was würden Sie sich wünschen?

Colmsee: Wir wünschen uns mehr Gesprächsbereitschaft von den Kommunen. Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass sie am Betreiber nicht viel ändern können, weil sie nicht genug Geld haben. Wenn man aber kreativ ist, kann man sich vor Ort auch andere Dinge überlegen. Man könnte beispielsweise mit Eltern etwas gemeinsam organisieren oder sogar selbst kochen. Oder man muss einfach die vorhandenen Mittel innovativer einsetzen. Auch wenn die Kommunen derzeit knappe Kassen haben, könnte sicher noch sehr viel mehr getan werden.

Das Gespräch führte Petra Ensminger im WDR 5 Morgenecho vom 18.09.2013.

Stand: 18.09.2013, 06:24