"Ernst machen mit Reduktion"

Erster Tag der Klimakonferenz in Paris

Interview - Klimakonferenz in Paris

"Ernst machen mit Reduktion"

Der erste Tag des Pariser Gipfels ist vorbei - was müsste passieren, um das Zwei-Grad-Ziel zu realisieren? Fragen an Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal-Institut für Klimaforschung.

Manfred Fischedick ist zufrieden mit dem ersten Tag der Weltklimakonferenz. "Die Signale stimmen durchaus optimistisch", sagte der Vizepräsident des Wuppertal-Institut für Klimaforschung im WDR5-Morgenecho-Interview. "Das gilt auch für die letzten Monate: Der G7-Gipfel im bayerischen Elmau, Verlautbarungen von US-Präsident Obama oder dem chinesischen Staatschef – das sind alles Signale gewesen, die einen positiv nach Paris schauen lassen. Sie geben Hoffnung auf ein Abkommen, dass zumindest andeutet, dass wir ernst machen mit einer signifikanten Reduktion."

Grund für seinen Optimismus ist die veränderte Ausgangssituation im Vergleich zur letzten internationalen Klimaverhandlung: Zum einen würden die Staaten nicht zu einem Abkommen gezwungen; stattdessen seien freiwillige Maßnahmen gesammelt worden. Außerdem habe die Staatengemeinschaft erkannt, dass sie agieren müsse, weil sie zunehmend von Wetterextremen betroffen sei. "Und der ganz wesentliche Unterschied ist, dass heutige Technologien deutlich kostengünstiger und weiter entwickelt sind", so Fischedick. "Man hat viel mehr Optionen in der Hand, um agieren zu können."

Um die vorgesehen Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu erreichen, müsse man sich am Weltklimarat orientieren. Der gebe vor, dass die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 40 bis 70 Prozent reduziert werden müssen. Spätestens bis zum Ende des Jahrhunderts müsse die Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien umgestellt werden. "Da braucht es natürlich Vorreiter – also Länder oder Regionen, die das deutlich schneller schaffen", sagte der Klima-Experte. "Und es braucht eine Verschärfung des Emissionshandels." Momentan seien die CO2-Kosten sehr gering, sodass das System keine Lenkungswirkung habe.

Das ist umso wichtiger, als die angestrebte Maximalerwärmung von zwei Grad "eigentlich nicht genug" sei: "Das ist ein Kompromiss. Für die Inselstaaten dürfte es eigentlich nur in Richtung 1,5 Grad gehen", sagte Fischedick. Allerdings sei die zu erwartende Temperaturerhöhung zum Teil schon festgelegt durch die Emissionen in der Vergangenheit. "Von daher ist dieses Zwei-Grad-Ziel eines, was man aus heutiger Sicht noch erreichen kann – aber auch unbedingt erreichen sollte, um das Schlimmste zu verhindern."

Redaktion: Jochen Zierhut

Stand: 30.11.2015, 17:30