Welchen Einfluss können EU und Anrainerstaaten auf die belgische Atompolitik nehmen?

Bärbel Höhn

Interview - Risiko-AKW in Belgien

Welchen Einfluss können EU und Anrainerstaaten auf die belgische Atompolitik nehmen?

Die jüngsten Zwischenfälle in belgischen Atomkraftwerken beunruhigen nicht nur die Deutschen. Im Morgenecho-Interview Bärbel Höhn, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Die belgischen Atomreaktoren sorgen weiter für Ärger. Nur vier Tage, nachdem sie wieder hochgefahren wurde, musste die umstrittene Anlage Doel 3 bei Antwerpen am 25.12. erneut vom Netz genommen werden. Am 18.12. war es in Tihange nahe Aachen zu einem Brand an einer elektrischen Schalttafel gekommen. Dennoch wurde der Reaktor am Weihnachts-Samstag wieder hochgefahren. Die Risiko- und Sicherheitsbewertung von Kernkraftwerken liegt in der Zuständigkeit Belgiens.

Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Bärbel Höhn, kritisierte im WDR 5 Morgenecho-Interview die Informationspolitik der belgischen Regierung. So hätten die deutschen Behörden bislang keinerlei Zugang zu den Gutachten der Experten, welches eine unabhängige Prüfung der Schäden erschwere.

Auch hätte die belgische Regierung in den vergangenen Jahren versäumt, genug in den Ausbau von alternativen Energieformen zu investieren, obwohl in Belgien bereits seit 2002 ein offizieller Ausstiegsbeschluss aus der Atomkraft vorliege. Dies habe dazu geführt, dass das Land nun im Winter relativ abhängig von den Reaktoren sei. "Offensichtlich scheint die Versorgungssicherheit den Belgiern wichtiger zu sein als die Sicherheit der Menschen, und das geht natürlich nicht", sagte die ehemalige NRW-Umweltministerin.

Jetzt müsse auf politischer Ebene noch mehr Druck gemacht werden, es könne nicht sein, "dass wir nicht einmal informiert werden".

Redaktion: Kirsten Pape

Stand: 23.12.2015, 16:10