Jetzt geht's um die Currywurst

Currywurst in einer Schale, serviert mit einem Brötchen

Reportage - Ruhrgebiet vs. Berlin

Jetzt geht's um die Currywurst

Von Clemens Hoffmann

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer macht die beste Currywurst im ganzen Land? Berlin oder der Ruhrpott? Auf der Internationalen Grünen Woche soll der Dauerstreit entschärft werden: mit einer "Fusionwurst".

Wo gibt es die beste Currywurst? In Berlin oder im Ruhrpott? Auf der Internationalen Grünen Woche, die am Freitag (15.01.2016) in Berlin für die Besucher öffnet, soll der Dauerstreit entschärft werden: mit einer "Fusionswurst", die das Beste aus zwei Welten vereinen soll - eine Berliner Wurst mit Currysauce aus Essen. Freitagmittag wird sie in der NRW-Halle offiziell präsentiert. Clemens Hoffmann hat vorher schon mal den Geschmackstest gemacht.

Eine Berliner Tradition

Hier stehen Wurst-Fans immer Schlange: Konnopke‘s in der Schönhauser Allee am Prenzlauer Berg. Seit 85 Jahren eine Berliner Imbiss-Institution. "Unsere Spezialität ist Currywurst ohne Darm, unsere Familie hat die 1960 hier eingeführt im Ostteil und das ist bis heute unser meist verkauftes Produkt", sagt Dagmar Konnopke. Sie hat den Laden vor einigen Jahren von ihrer Mutter Waltraud übernommen. Und damit auch das Geheimrezept für die Sauce: die Basis ist Tomatenketchup, das noch mit Gewürzen verfeinert wird. "Die muss gut im Abgang sein, darf keinen stumpfen Geschmack im Mund hinterlassen, sie muss rund und ausgewogen sein und die einzelnen Komponenten, die man dazu gibt, müssen stimmen", erläutert sie.

Pommesbude im Pott

Timo Winter und Dietmar Haubold nicken. Die beiden Köche aus Essen betreiben einen Imbiss in Müllheim an der Ruhr. Auf der Grünen Woche stellen sie ihre selbst entwickelte Ruhrgebiets-Currysauce vor. Und haben sich dafür mit Frau Konnopke zusammengetan. Eine Friedensmission! "Bei dem ganzen Theater und den ganzen Konflikten gerade auf der Welt wollten wir nicht den nächsten Currywurst-Krieg anzetteln, sondern haben gesagt: wir planen eine Fusions-Wurst und bringen mal Berlin und das Ruhrgebiet zusammen, sagt Timo Winter. Sein Kollege Dietmar Haubold ergänzt: "Früher wurden die Saucen aus einem Schaschlik-Fond gekocht und wir haben versucht, diesen Schaschlik Fond nachzubauen: Wir rösten unseren  Curry selber und die Sauce wird über Stunden gekocht mit Zwiebel, Gewürzen und Kräutern."

Es kommt zum Äußersten, zum Geschmackstest

Und genau diese Mischung aus dem Pott wird jetzt über die Konnopke-Würste gegossen. Die Berliner Traditionsesser stochern etwas irritiert in ihren Pappschälchen. "Hier passiert erstmal gar nichts, jetzt wird’s ein wenig scharf", sagt ein Gast. Ein anderer äußert sich verhaltener: "Anders erstmal. Ob ditt nu besser oder schlechter is, kann ich schlecht beurteilen." Ablehnend fällt das Urteil dieses Gastes aus: "Nee, finde ich nicht so gut, die hat so was westernmäßiges, gehört nicht auf ne Currywurst, find ick!"

Currypulver auf einem Teller.

Immer dabei: Currypulver

Schaschlik-Sauce mit Barbecue-Rauch oder doch lieber Curryketchup? Schnell wird klar: Zwei Imbiss-Welten stossen aufeinander: “Mir persönlich schmeckt die originale besser, weil sie ein bisschen länger nach Curry schmeckt", sagt ein Gast. Eine Dame urteilt: "Die Berliner Variante, einfach dieses reduziertere, mehr tomatig, mehr Curryketchup als wirklich diese rauchige Variante."

"Kleben nicht nur an der Tradition"

Doch es gibt Hoffnung für die Fusions-Wurst. Die auswärtigen Esser sitzen längst nicht so tief im geschmacklichen Wurst-Graben. Ob da etwas zusammenwächst? Dagmar Konnopke will nach dem Testlauf auf der Grünen Woche entscheiden, ob sie die Ruhrpott-Sauce weiter anbietet. Ganz ausgeschlossen ist das nicht. "Wir kleben ja nicht nur an der Tradition. Wir haben auch 'ne vegane Currywurst ins Programm genommen, die sehr gut geht. Also, man muss auch schon immer sich weiterentwickeln", sagt Dagmar Konnopke.

Stand: 14.01.2016, 16:38