Lehrer beraten, Eltern entscheiden

Ihre Zeugnisse vergleichen zwei Scülerinnen der 4. Klasse einer Grundschule

Service Bildung - Grundschulempfehlung

Lehrer beraten, Eltern entscheiden

Von Marcus Schwandner

Viele Viertklässler strengen sich in der Schule jetzt besonders an. Mit dem Halbjahreszeugnis der Klasse 4 bekommen sie eine Empfehlung für die weiterführende Schule. Der Druck ist groß, dabei entscheiden letztlich die Eltern.

Ende Januar 2015 werden in Nordrhein-Westfalen die Halbjahreszeugnisse an den Grundschulen verteilt. Die Viertklässler erhalten gleichzeitig eine Empfehlung für die weiterführende Schule. Dann haben die Eltern schriftlich, welche Schulform aus Sicht der Grundschule die richtige für ihr Kind ist: Hauptschule, Realschule oder Gymnasium. Sowieso wird den Schülern die Empfehlung für die Sekundarschule und bei entsprechenden Leistungen für die Gesamtschule gegeben. Es kann auch eine eingeschränkte Empfehlung fürs Gymnasium oder die Realschule geben. Eine Überraschung ist die Empfehlung nicht – die Grundschule ist schon im Vorfeld mit den Eltern im Gespräch und berät bei der Schulwahl.

Die Empfehlung ist nur eine Empfehlung

Die Grundschulempfehlung ist nicht bindend. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern können die Eltern sich in NRW frei für eine andere Schulform entscheiden. Eine Studie zeigt, dass zwei von drei Eltern einer Realschulempfehlung folgen. Wird dem Kind das Gymnasium empfohlen, folgen diesem Rat sogar neun von zehn Eltern.

Was ist die Grundlage der Empfehlung?

Die LehrerInnen entscheiden nicht nur aufgrund der Noten. Auch die Leistungsentwicklung spielt eine Rolle. Außerdem berücksichtigen sie zum Beispiel Lernvermögen, Lernverhalten und Teamfähigkeit. Es ergibt daher keinen Sinn, wenn Eltern ihren Kindern im ersten Halbjahr der vierten Klasse Druck machen, damit die Noten besser werden.

Welche Schulform ist die richtige?

Am Gymnasium wird von den Kindern von Anfang an eine große Selbständigkeit erwartet. Wenn ein Kind also gute Noten in der Grundschule hat, aber nur mit Hilfe der Eltern gut lernen kann, wird es am Gymnasium vielleicht Schwierigkeiten haben. Eltern sollten daher bedenken, ob auch die Konzentrationsfähigkeit und das Lernverhalten des Kindes der gewünschten Schulform entsprechen.

Eingeschränkte Empfehlung, was heißt das?

Erfüllt das Kind nicht alle Anforderungen für eine bestimmte Schulform, dann gibt die Lehrerin eine eingeschränkte Empfehlung. Das Kind könnte die entsprechende Schule schaffen, müsste sich aber anstrengen oder in einigen Bereichen – zum Beispiel Abstraktionsfähigkeit, Teamfähigkeit, Eigenständigkeit - noch entwickeln. Bei einer eingeschränkten Empfehlung ist es besonders wichtig, dass sich die Eltern und die Lehrerin intensiv über die Wahl unterhalten.

Bei der Wahl immer an das Kind denken

Der ehemalige Grundschuldirektor und jetzige Dezernent für Grundschulen bei der Bezirksregierung Köln bringt es auf den Punkt: "Erfolg beflügelt, Misserfolg lähmt. Wenn die Anforderungen an die Kinder zu hoch werden, dann muss man mit deutlichen Misserfolgen, Versagensängsten, unter Umständen auch Schulängsten rechnen und das wäre eine sehr unglückliche Entwicklung für die Kinder." Schüler können aber auch dann auffällig werden, wenn sie an der Schule ständig unterfordert sind und sich langweilen. Welche Schulform die richtige ist, will also gut überlegt sein.

Redaktion:
Maike Westphal

Stand: 20.11.2014, 16:05

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