#LitMarathon 2017 - auf Reisen

#LitMarathon 2017 - auf Reisen

In 24 Stunden mit 100 Büchern um die Welt und zu sich selbst: Ulrich Noethen spaziert nach Syrakus, Devid Striesow pilgert auf dem Jakobsweg, Slammerin Jana Fischer schlägt sich durch den heimischen Nahverkehr. Und Lars Rudolph ist in der Mongolei unterwegs.

Moderator Mike Litt beim WDR 5 Literaturmarathon 2017 im Kölner Funkhaus

Punkt 22 Uhr eröffnet Mike Litt am Freitagabend (10.03.2017) den 24-stündigen WDR 5 Literaturmarathon im Kölner Funkhaus. In diesem Jahr gehen wir thematisch auf Reisen - zu Fuß, per Boot, im Flugzeug oder mit dem Auto.

Punkt 22 Uhr eröffnet Mike Litt am Freitagabend (10.03.2017) den 24-stündigen WDR 5 Literaturmarathon im Kölner Funkhaus. In diesem Jahr gehen wir thematisch auf Reisen - zu Fuß, per Boot, im Flugzeug oder mit dem Auto.

Gleich zu Beginn nimmt Ingolf Lück die Zuhörer mit nach Ladonien, eine Mikronation vor der südschwedischen Küste. Er liest aus Dennis Gastmanns "Atlas der unentdeckten Länder".

Ulrich Noethen darf in den ersten Stunden gleich mehrfach vortragen. Er geht mit den Zuhörern im kleinen Sendesaal unter anderem auf einen "Spaziergang von Rostock nach Syrakus" (von Friedrich Christian Delius).

Das Interesse am Literaturmarathon ist wie immer groß: Schon früh hat sich vor dem kleinen Sendesaal eine lange Schlange gebildet, die sich quer durch das Funkhaus zieht.

Wer keinen Platz im kleinen Sendesaal ergattern kann, verfolgt die Lesungen auf einer Leinwand im Foyer des Funkhauses. Und wer keinen Platz im Foyer (oder den Weg nach Köln) findet, kann den Marathon im Internet, bei WDR 5, vielen angeschlossenen Hochschulradios oder auch per Live-Übertragung in Bibliotheken verfolgen.

Zwischen den Lesungen sorgen Bands für musikalische Abwechslung - hier "The Day". Laura Loeters und Gregor Sonnenberg nehmen die Zuhörer in den ersten Stunden mit auf eine Reise in ihre ganz eigene Musikwelt - heimelig intim, mit Ecken und Kanten.

Ecken und Kanten hat er auch: Wilfried Schmickler berichtet beim Literaturmarathon von einer "unglaublichen Reise". Nachdem Smithy Ide alles verloren hat, macht er sich in der Geschichte von Ron McLarty auf seinem alten Kinderfahrrad auf eine Reise quer durch Amerika.

Deutlich besser getroffen hat's da Meike Winnemuth. Sie hat nicht alles verloren, sondern 500.000 Euro bei Günther Jauch gewonnen - festgehalten in ihrem Buch "Das große Los". Bettina Böttinger weiß und berichtet, was sie mit dem Gewinn angestellt hat. Ja, es hat mit Reisen zu tun.

Für alle, die nicht das große Los gezogen haben, fallen die Reisen naturgemäß etwas kleiner aus. Im schlimmsten Fall ist man als Pendler täglich "nur" im Nahverkehr unterwegs. Die Slammerin Jana Fischer kann ein Lied davon singen - oder besser: Text vortragen.

Unterdessen entstehen im kleinen Sendesaal große Kunstwerke. Illustratoren zeichnen live zu den Texten. Die Bilder können anschließend im Foyer nicht nur bestaunt, sondern auch erworben werden.

Miriam Faßbender hat afrikanische Flüchtlinge auf ihrer Reise nach Europa begleitet. In ihrem Buch - vorgetragen von Nina Petri - berichtet sie unter anderem von ihrer Zeit in einem Ghetto in Algerien, von Willkür und Polizeischikane. Erschütternd.

Nicht weniger erschütternd ist die beschränkte und fremdenfeindliche Weltsicht von "Frank aus Thüringen", vorgetragen von Poetry-Slammer Sebastian 23.

Während im Foyer die ersten Besucher nach der langen Lesenacht noch im Schlafsack den Darbietungen folgen, sind andere schon hellwach.

Schauspielerin Eva Mannschott trägt zu früher Stunde mit viel Herzblut aus dem Bestseller "Eat, Pray, Love" von Elizabeth Gilbert vor.

Nach 8 Uhr heißt es dann für die letzten Morgenmuffel raus aus den Federn und die müden Glieder gestreckt. Denn im Sendesaal geht die Reise weiter.

Schauspieler Jona Mues bringt "Die Ameise" von Joachim Ringelnatz mit. Und Devid Striesow, der Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg spielte, liest aus dessen Buch "Ich bin dann mal weg". Es ist nicht der einzige Auftritt des "Tatort"-Kommissars. Mit "Gute Tage" erinnert er an den vor knapp einem Jahr verstorbenen Roger Willemsen.

Frau Fuchs trägt Fuchs: Die Berlinerin ist ein wahres Multitalent. Sie ist Slammerin, Schriftstellerin, Musikerin und schreibt einen Reiseblog. In "Herzlich Willkommen 1946" erzählt Kirsten Fuchs von einem Kriegsheimkehrer, der von seiner Ehefrau an der Haustür eine Standpauke bekommt.

Der überspitzt ironische Text ruft beim Publikum ganz unterschiedliche Reaktionen hervor. Während die einen herzlich lachen, sind andere bewegt.

Noch ganz entspannt ist Besteller-Autor Frank Schätzing. Er genießt vor seinem Auftritt das besondere Flair im WDR Funkhaus.

Es ist immer etwas Besonderes, wenn Schauspieler Lars Rudolph liest. Mit seiner faszinierenden Intonation und seinem ausdrucksvollen Minenspiel trägt er aus Wolf Haas' Krimi "Brennerova" vor.

Komiker Johann König liest aus seinem Buch "Kinder sind was Wunderbares". Natürlich gibt es gut was zu Lachen, wenn der Ostwestfale mit seinem urkomischen trockenen Humor Eltern aufs Korn nimmt, ihre heimlichen Gedankenblitze und Wünsche - die sie aus Scham lieber für sich behalten.

Illustratorin Jennifer Daniel begleitet die Vorleser am frühen Samstagabend. Sie ist Mitbegründerin der Ateliergemeinschaft Studio Rabotti und der Künstlergruppe Wolpatinga.

Astrid Meyerfeldt, ein Urgestein der Schauspielertruppe um den scheidenden Intentanden der Berliner Volksbühne Frank Castorf, ist ein gern gesehener Gast beim WDR 5 Literaturmarathon. Dieses Mal liest sie u.a. aus Sibylle Bergs "Der Mann schläft".

Kinderstunde beim Literaturmarathon am Samstagabend: Da ist gebanntes Zuhören Programm.

Kein Wunder, denn als junger Vorleser ist zum Beispiel Enno Schmidt dabei. Er liest mit großem Geschick aus dem Roman "Hoover, Teil 1" von Ute Wegmann. Da geht es um eine Wunschreise nach Paris - und deshalb, wie könnte es anders sein, auch um Liebe.

Den Endspurt beim WDR 5 Literaturmarathon 2017 gestaltet Jürgen Thormann mit. Wenn die Stimme dieses Grandseigneurs des Schauspiels, Sprechens und Vorlesens erklingt, hört man zugleich die Synchronstimme von Michael Caine. Thormann beschließt den Marathon mit Heinrich Bölls "Irischem Tagebuch". Das große Lesefest in Köln ist zu Ende. 2018 heißt es: 100 Bücher vom Neubeginn! Auf ein Neues und Nächstes also.

Stand: 11.03.2017, 22:45 Uhr