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Ausstieg aus dem Netzwerk?

Die Schatten von Jugendlichen mit einem Laptop sind vor dem Schriftzug des sozialen Internet-Netzwerks Facebook zu sehen

Service Computer: Facebook-AGBs

Ausstieg aus dem Netzwerk?

Von Michael Stein

Ab dem 30. Januar 2015 gelten bei Facebook neue Nutzungsbedingungen. Während Facebook behauptet, die Nutzer könnten nun besser einstellen, wer welche Daten sehen kann, sind Datenschützer skeptisch.

Facebook will ein echtes Werbenetzwerk werden, das auch außerhalb des gleichnamigen sozialen Netzwerks Daten sammeln und Werbung schalten kann. Dass Facebook auch außerhalb seines Systems Daten sammelt, ist nicht neu. Mit den neuen Nutzungsbedingungen will sich Facebook jetzt aber auch die rechtlichen Grundlagen dafür von seinen Nutzern genehmigen lassen. Diese Genehmigung erfolgt stillschweigend: Wer Facebook nach dem 30. Januar weiter nutzt, erklärt sich einverstanden.

Ich weiß, wo du bist

Ab sofort erfasst Facebook auch die Standortdaten seiner Nutzer und kombiniert sie mit denen der Kontakte, um gezielt Werbung schalten zu können, die auf dem Verhalten des Nutzers und seiner "Freunde" basieren. Werbebotschaften nach dem Motto: "Inga sitzt gerade in der Kaffeebar XYZ und hat gerade gepostet, dass sie den Laden voll gut findet. Wahrscheinlich kommt auch Laura gleich noch da vorbei. Sie ist schon in der Nähe. Komm doch auch hin! Da gibt's gerade den Café Latte für Euro 1,99".

Drei Personen gucken gemeinsam auf einen Laptop-Bildschirm

Empfehlen und liken

Wer sich bei Facebook einloggt, dessen Nutzungsverhalten im sozialen Netzwerk wird protokolliert, bis er oder sie sich wieder ausloggt. Damit Facebook aber auch außerhalb des eigenen Systems weiter beobachten kann, bietet es Webseiten-Betreibern so genannte "Social Plugins" an, die diese auf ihren Seiten platzieren können. Durch einen Klick können die Besucher der Seiten eine Seite empfehlen oder "liken". Dafür müssen sie sich allerdings einloggen. Außerdem nutzen viele Webseiten den "Facebook-Login": Um sich bei der Webseite anzumelden, kann man dann seine Facebook-Login-Daten nutzen. Praktisch, aber so weiß Facebook immer genau, wann man was auf dieser fremden Seite gerade gemacht hat - selbst dann, wenn die Besucher keine Facebook-Nutzer sind oder sich nicht einloggen, wird ihr Besuch von Facebook registriert. Ab Freitag dürfen diese Erkenntnisse dann eben auch zum Schalten von Werbung genutzt werden.

"Abschalten" unmöglich

Wer all das nicht will, dem bleiben als schon registriertem Facebook-Nutzer kaum Möglichkeiten. Man kann sein Facebook-Konto zwar löschen, sollte aber nicht darauf vertrauen, dass die bis dahin gesammelten Daten tatsächlich getilgt werden – dazu sind diese Daten einfach zu wertvoll. Das exakte Zuordnen neu entstehender Verhaltensdaten zu einem gelöschten Profil wird für Facebook dadurch nur schwieriger, bleibt aber mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin möglich. Um sein Facebook-Konto zu löschen (deaktivieren reicht nicht), muss man eine spezielle, recht gut versteckte Seite ansurfen und den Löschvorgang anstoßen.

Endgültig löschen?

Wenn Sie also sicher sind, dass Sie Ihr Facebook-Konto löschen, also künftig ohne Facebook auskommen wollen, dann gehen Sie so vor: 1. Loggen Sie sich in Ihr Facebook-Konto ein. 2. Geben Sie in die Adresszeile des Browsers: https://www.facebook.com/help/delete_account ein, oder klicken Sie auf den rechts angegebenen Link. 3. Es erscheint ein Fenster, in dem man noch einmal darauf hingewiesen wird, dass man das Löschen nicht rückgängig machen kann. Klicken Sie auf „Mein Konto löschen“. Das Ganze kann mehrere Tage dauern – während dieser Zeit keinesfalls wieder einloggen, sonst wird der Löschprozess gestoppt. Einstellen innerhalb von Facebook kann man lediglich, welche Daten andere Nutzer von einem Facebook-Mitglied sehen können.

Werbung JA, Datensammeln NEIN

Auf den Netzwerk-Betreiber haben diese Einstellungen keinerlei Auswirkungen. Facebook verweist außerdem darauf, dass man Werbung widersprechen könne, die auf dem Verhalten basiert und verweist auf eine freiwillige Initiative der Werbeindustrie. Wer auf der angegebenen Seite aber widerspricht, der verhindert dabei nur das Anzeigen dieser Werbung, nicht aber das Datensammeln.

Wanze Smartphone

Am wenigsten kann man übrigens als Smartphone-Nutzer tun, wenn man die Facebook-App installiert hat. Dann ist man nämlich permanent eingeloggt und steht unter Beobachtung. In den Datenschutz-Einstellungen kann man zwar bei den meisten Smartphones immerhin einstellen, dass zum Beispiel die Standort-Daten nicht von der Facebook-App genutzt werden dürfen. Alle anderen Bewegungen im Internet bleiben davon jedoch unberührt.

Zwei Browser

Wer also Facebook zwar nutzen, dies aber möglichst datensparsam tun will, der sollte die Facebook-App von seinem Smartphone deinstallieren und den Dienst ausschließlich am Computer oder über die mobile Facebook-Seite nutzen. Sie wird automatisch aufgerufen, wenn man mit seinem Smartphone-Browser Facebook ansurft. Am besten ist es außerdem, wenn man für die Nutzung von Facebook einen zweiten Browser benutzt, den man ausschließlich für den Kontakt zu Facebook verwendet. Einen Browser für Facebook, einen anderen für den Rest – das ist eine Möglichkeit, der Datenkrake Facebook ein wenig Paroli zu bieten. Dies gilt übrigens auch für die Facebook-Verwendung am PC oder Mac. Auf diese Weise macht man es Facebook schwerer, Verhaltensdaten zu sammeln, die auf dem Surfverhalten basieren.

Redaktion:
Jan Friese

Stand: 28.01.2015, 14:24

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