Erdmännchen-Forschung in der Kalahari

Erdmännchen-Forschung in der Kalahari

Von Anne Preger & Sven Preger

Nur gemeinsam überleben Erdmännchen in der Wildnis. Doch wie koordinieren sich die Clan-Mitglieder? Das untersucht eine deutsche Biologin in Südafrika. Sie beobachtet die Tiere nicht nur – sie legt ihnen sogar Mikrophone um.

WDR 5 Reporterin Anne Preger mit Erdmännchen

Diese Erdmännchen sind Medienprofis, egal ob vor der Kamera oder am Mikrophon von WDR 5-Reporterin Anne Preger. Im "Kalahari-Meerkat-Project" leben die Erdmännchen-Familien wild, bekommen aber fast täglich Besuch von Forschern, die ihr Verhalten untersuchen.

Diese Erdmännchen sind Medienprofis, egal ob vor der Kamera oder am Mikrophon von WDR 5-Reporterin Anne Preger. Im "Kalahari-Meerkat-Project" leben die Erdmännchen-Familien wild, bekommen aber fast täglich Besuch von Forschern, die ihr Verhalten untersuchen.

Gabriella Gall will wissen, wer in der Familie Kung Fu die Entscheidungen trifft. Deswegen hat die deutsche Biologin von der Universität Zürich den erwachsenen Erdmännchen Halsbänder angelegt. Daran werden kleine Rekorder mit Mikrophonen befestigt.

Ganz behutsam nimmt Gabriella Gall Mutter Kung Fu den Rekorder vom Hals. Die Box zeichnet nicht nur die Erdmännchen-Rufe auf, sondern auch die Position und die Art der Bewegungen. Die Batterie reicht aber nicht länger als einen Tag. Deswegen muss Gabriella Gall am Morgen jedes Forschungstages die Rekorder wechseln.

Erdmännchen-Junge kommen morgens erst nach den Erwachsenen aus dem Bau, in dem die Familie die Nacht verbringt. Die Kung Fu Babys sind noch keine vier Wochen alt. Mutter, Vater, Schwager und zwei Teenager kümmern sich um die vier Babys. Es ist eine sehr kleine Familie.

Erdmännchen haben kein dickes Fell. Nach einer kalten Nacht in der winterlichen Kalahari genießen sie die Sonne. Die Kung Fu Babys sind noch zu klein, um mit auf Futtersuche zu kommen. Deswegen passt ihre große Schwester auf sie auf, während der Rest der Familie loszieht.

"Wieso kommt aus diesen Zitzen nichts raus?" Erdmännchen-Weibchen können auch ohne eigene Babys Milch produzieren und damit die Jungtiere der Clan-Chefin füttern. Das ist eine große Besonderheit im Tierreich. Doch die große Schwester der Kung Fu Babys ist selbst noch ein Teenager und nicht alt genug zum Milch geben.

Bald sind alle Kung Fu Erdmännchen schon wieder zusammen am Bau bei den Jungen. Ganz in der Nähe sind nämlich vier fremde Erdmännchen aufgetaucht. Alarmstimmung bei den Kung Fus! Erst am Vortag sind sie von der Nachbargruppe aus ihrem alten Bau vertrieben worden.

"Das hier ist unser Gebiet!" Die Kung Fus machen sich groß und stürmen in typischer Erdmännchen-Pose auf die Eindringlinge los.

"Meins!" Kung Fu Vater George Michael markiert Familienmitglieder und Büsche mit seinem Geruch. Er muss sich wegen der Eindringlinge die größten Sorgen machen. Die haben nämlich nicht in erster Linie Kampf im Sinn, sondern ein Rendezvous mit Mutter Kung Fu. Das könnte George Michael seine Position als Partner der Chefin kosten. Bei Erdmännchen ist immer ein Weibchen Clanoberhaupt.

Es herrscht wieder Frieden. Die fremden Erdmännchen sind verschwunden. Trotzdem bleibt Vater Kung Fu, das Tier mit der Antenne am Halsband, beim Futtersuchen in der Nähe seiner Partnerin. Die interessiert sich aber deutlich mehr für Skorpione und Insektenlarven im Boden als für ihn.

Morgens, mittags, abends geht es auf die Waage. Für die Erdmännchen im "Kalahari Meerkat Project" ist das Routine. Bei den Kung Fus zeigt sich nach einem aufregenden Tag: Vater George Michael ist vor lauter Stress nicht genug zum Fressen gekommen und hat abgenommen. Die Clanchefin hat sich weniger aus der Ruhe bringen lassen und geht mit vollem Bauch zum Schlafen in den Bau.

Gleich ist die Sonne hinter den grasbewachsenen Dünen der Kalahari verschwunden. Für Familie Kung Fu war der Tag aufregend und damit für die Forscherin interessant. Die Winternacht in der Wüste wird kalt. Doch im Bau erwarten den Kung Fu Nachwuchs kuschelige Wärme der Familie und die Milch ihrer Mutter.

Stand: 01.07.2016, 15:05 Uhr