Braunkohle ohne Perspektive

Ein Windrad vor qualmenden Kühltürmen

Sachverständigenrat zur Energiewende

Braunkohle ohne Perspektive

Von Martin Gent

Langfristig sei Strom aus Sonne und Wind billiger als jener aus Kohle und Gas. Der Umweltrat warnt deshalb davor, den Ausbau erneuerbarer Energien zu verlangsamen. Die Große Koalition tritt trotzdem auf die Bremse.

Neben den "Wirtschaftsweisen" gibt es auch die "Umweltweisen". Sieben Professorinnen und Professoren beraten die Bundesregierung zu Fragen der Umweltpolitik. Im neuen Sondergutachten "Den Strommarkt der Zukunft gestalten" gibt der Sachverständigenrat für Umweltfragen ("Umweltrat") jetzt konkrete Empfehlungen zur Ausgestaltung der Energiewende.

Gravierende Unterschiede

Vergleicht man das energiepolitische Kapitel des Koalitionsvertrages mit dem Sondergutachten, stößt man auf gravierende Unterschiede: Der Umweltrat ist für eine ambitionierte Energiewende, der Koalitionsvertrag tritt – mit dem Kostenargument – eher auf die Bremse.
Die Unterschiede dürften aber kaum  darauf zurückzuführen sein, dass den Verhandlungsführern von Union und SPD die Position des Umweltrates nicht bekannt ist. Vieles spricht dafür, dass man ganz bewusst den Empfehlungen der Umweltexperten nicht folgen wollte.

Ausbauziele verwässert

Augenfällig werden die Unterschiede beim Anteil erneuerbarerer Energien am Strom-Mix. Bei den Ausbauzielen bleibt der Koalitionsvertrag sogar leicht hinter den von der schwarz-gelben Vorgängerregierung formulierten Zielen zurück. Ein direkter Vergleich wird erschwert. War es bislang üblich, konkrete Zielmarken für die Zehner-Jahre 2020, 2030, 2040 und 2050 zu nennen, so gibt es im Koalitionsvertrag nur Zahlen für 2025 und 2035 – und auch nur als Spanne.
Laut Koalitionsvertrag sollen im Jahr 2035 zwischen 55 und 60 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen. Der Umweltrat hält hingegen 60 bis 70 Prozent schon fünf Jahre früher, also 2030, für machbar.

Streit um Kohlekraftwerke

Der Umweltrat sieht auch mit Atomausstieg ein Überangebot an Kraftwerken. Die wichtigen flexiblen Gaskraftwerke haben es deshalb schwer am Markt. Als Maßnahme wird daher empfohlen, unflexible Braunkohlekraftwerke abzubauen. Ganz anders liest sich das im Koalitionsvertrag. Dort heißt es: "Braunkohle, Steinkohle und Gas sind als Teil des nationalen Energiemixes auf absehbare Zeit unverzichtbar."

Langfristig billiger

Nach Ansicht des Umweltrates gibt es keinen Grund, bei der Energiewende auf die Bremse zu treten: "Eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien ist umweltfreundlicher, kostengünstiger und sichert mehr Arbeitsplätze als die konventionelle Energieversorgung," heißt es in einer Pressemitteilung zum Sondergutachten. Oft wird die Erhöhung der EEG-Umlage als Argument für aus dem Ruder laufende Energiewende-Kosten genannt. Dabei sei EEG-Umlage – im nächsten Jahr 6,3 Cent für jede Kilowattstunde auf der Stromrechnung – der falsche Indikator für die Subventionierung von Sonnen- und Windstrom. Die Umlage sei auch deshalb so hoch, weil viel zu viele Unternehmen von der Umlage befreit sind und weil der Emissionshandel nicht funktioniert.

Redaktion:
Joachim Hecker

Stand: 27.11.2013, 17:05

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