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E-Mail und die Detektive

Drei Personen gucken gemeinsam auf einen Laptop-Bildschirm

Werbeindustrie verfolgt uns im Netz

E-Mail und die Detektive

Von Michael Stein

Wer sich im Internet, die Wettervorhersage für Hawaii ansieht, bekommt beim nächsten Emailcheck, Angebote für Reiseführer und Bademoden aufgedrängt. Denn nicht nur NSA & Co. verfolgen uns im Netz - auch die Werbeindustrie. Dieses Feature wird mit dem "Journalistenpreis Informatik 2014", in der Kategorie Hörfunk, ausgezeichnet.

Kann mein Computer Gedanken lesen? Gerade noch habe ich im Internet nachgesehen, wie das Wetter auf Hawaii ist und beim nächsten Besuch eines großen Online-Shops werden mir schon die Angebote für passende Reiseführer oder aktuelle Bademode aufgedrängt. Auch die Reiseportale im Netz scheinen meine Wünsche schon vorab zu kennen. "Lust auf Hawaii?" fragen sie auf ihren Startseiten.

Das ist kein Zufall. Jeder von uns wird bei jedem seiner virtuellen Schritte im Netz beobachtet und verfolgt. Lange vor Geheimdiensten wie NSA & Co. hat sich schon die Werbeindustrien an unsere digitalen Fersen geheftet. Wir sprechen vom so genannten "Tracking" (Verfolgen), das dem potentiellen Kunden immer über die Schulter späht. Wie kann man sich dagegen wehren? Es gibt dazu eine ganze Reihe von Möglichkeiten.

Schwarze Liste

Die beste Möglichkeit, die diversen Tracking-Dienste zu blockieren, ist die so genannte Tracking-Protection-List (TPL). Eine solche Liste wird aus dem Netz geladen und im Browser installiert. Damit das funktioniert, muss der Browser dafür ausgelegt sein. Microsofts Internet Explorer kann solche Schutz-Listen laden und verarbeiten. Die Listen müssen allerdings immer auf dem neusten Stand gehalten und gepflegt werden. Um solche Listen zu installieren, hilft auch die Menüoption "Tracking-Schutz" im Menü "Sicherheit". Im Internet Explorer 9 findet man diese nach einem Klick auf das kleine Zahnrad.

Verfolge mich nicht!

Eine weitere Technik, die die Beobachtung im Netz verhindern kann, ist "Do Not Track" (DNT). Dabei sendet der Browser an jede besuchte Seite einen entsprechenden Befehl. Seriöse Seiten akzeptieren ihn und speichern keine Daten über den Benutzer. Der größte Nachteil dieser Technik: Sie ist freiwillig und lässt sich kaum kontrollieren. Direkt blockiert wird mit DNT nichts. Die DNT-Funktion findet man z. B. in Firefox und  Safari.

Geisterjäger

Eine wirksame Möglichkeit, sich vor zu viel Beobachtung zu schützen, ist die Installation eines kleinen Programms wie "Ghostery". Das Tool ist für alle gängigen Browser kostenlos zu haben und blockiert die Tracking-Dienste nicht nur, sondern informiert auch darüber, welche Detektive da auf der soeben besuchten Seite versteckt sind. Gezielt kann man sich dann für oder gegen einen Tracking-Anbieter entscheiden.

Privat unterwegs

Einige Browser (z. B. Internet Explorer, Safari) haben einen Modus zum "Privaten Surfen".  In erster Linie werden dabei die besuchten Seiten nicht im Verlauf des Browsers gespeichert. Einen wirksamen Schutz davor, Spuren im Netz zu hinterlassen, bieten diese Funktionen jedoch nicht.

Abwählen

Jede Website, die Daten ihrer Nutzer erfasst und auswertet, muss eine Möglichkeit bieten, das Tracking auszuschalten und somit dem Betreiber zu signalisieren, dass der Besucher die Übermittlung von zielgerichteter Werbung nicht wünscht. "Opt Out" heißt dieses Verfahren. Fast alle Website-Betreiber verstecken diese Funktion aber sehr gut. Man findet sie, indem man – meist am unteren Ende der Seite – nach Optionen wie "Über unsere Werbung", "Datenschutz" oder "Impressum" sucht. Dort muss man sich dann häufig durch Datenschutzbestimmungen lesen, bevor man die Links für das Abwählen der Beobachtung findet. Oft verwenden die Sites gleich mehrere Dienstleister, so dass man bei jedem einzelnen der Nutzung der Surfdaten wiedersprechen muss. Außerdem gibt es noch ein weiteres Problem: Das Opt Out wird als Cookie, eine kleine Datei im Browser, gespeichert. Hat man das Speichern von Cookies in seinem Browser deaktiviert, ist die Opt-Out-Funktion nutzlos.

Redaktion:
Jan Friese

Stand: 20.05.2014, 12:23

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