Sind Hirntote wirklich tot?

Grafik: Frau liegt mit geschlossenen Augen im Bett (eingeblendete Herzgrafik)

Stellungnahme zur Organspende

Sind Hirntote wirklich tot?

Von Jonathan Focke mit Material von Christina Sartori

Der Hirntod ist die Voraussetzung für eine Organspende. Doch es gibt Streit darüber, ob der Hirntod wirklich den Tod eines Menschen bedeutet. Jetzt hat der deutsche Ethikrat eine Stellungnahme dazu präsentiert.

Zuerst kam der Skandal um mehrere Kliniken, in denen Organe transplantiert wurden. Dann wurde bekannt, dass in einigen Fällen, bei denen der Hirntod festgestellt wurde, nicht alles korrekt abgelaufen war. Inzwischen werden in Deutschland so wenige Organe gespendet wie schon lange nicht mehr. Bei der Diskussion um Organspenden gibt es vor allem ein Streitthema: Sind Hirntote wirklich tot?

Uneinigkeit im Ethikrat

Auch die Meinungen der Mitglieder des Ethikrates, der die deutsche Bundesregierung in solchen Fragen berät, gehen bei dieser Frage auseinander. Die Mehrheit sagt: Mit dem Hirntod ist ein Mensch tot. Hirntod bedeutet, dass alle Funktionen des Gehirns ausgefallen sind. Das Gehirn kann also viele Prozesse nicht mehr steuern und koordinieren, wie es das bei einem gesunden Menschen tut. Ohne medizinische Hilfe, viele Maschinen und künstliche Beatmung würde der Mensch sofort versterben.

Körper lebt noch

Eine Minderheit im Ethikrat sagt aber, dass hirntote Menschen noch nicht tot seien, da einige Prozesse im Körper weiterhin abliefen. Damit sei der Mensch nicht komplett tot. Trotzdem sind sie dafür, dass man Menschen, die Organe spenden wollten, auch in diesem Zustand Organe entnehmen sollte – auch wenn sie aus ihrer Sicht nicht vollständig tot seien.

Mehr Aufklärung, bessere Gesetze

Die Mitglieder des Ethikrates sprechen sich vor allem für eine bessere Aufklärung rund ums Thema Organspende aus. So müsse darüber gesprochen werden, dass ein Organspender - nachdem sein Hirntod festgestellt wurde - noch kurze Zeit am Leben bleibe, bis seine Organe entnommen würden. Vielen Menschen sei nicht klar, dass Organe nur aus einem lebenden Organismus entnommen werden könnten. Wichtig zu erklären sei außerdem, dass Hirntote keine Schmerzen mehr empfinden könnten. Um Organentnahmen besser und sicherer zu machen, empfiehlt der Ethikrat zudem, dass per Gesetz jedes Krankenhaus, das Organe entnimmt, einen Transplantationsbeauftragten haben sollte.

Der Radionbeitrag ist von Christina Sartori.

Redaktion:
Anna Sebastian

Stand: 24.02.2015, 16:05

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