"So lebendig wie selten zuvor"

"So lebendig wie selten zuvor"

Sie ist der "Spatz von Paris", ihre Lieder wie "La vie en rose" und "Non, je ne regrette rien" sind fest im öffentlichen Bewusstsein verankert. Gerade nach dem Terror in Paris haben sie eine neue Aktualität bekommen. Am 19. Dezember vor 100 Jahren wurde der Chanson-Weltstar Edith Piaf geboren.

Porträt von Edith Piaf 1945

Geboren wurde sie mit bürgerlichem Namen als Edith Giovanna Gassion im Pariser Arbeiterviertel Belleville. Sie stammte aus ärmlichsten Verhältnissen, hatte eine drogensüchtige Mutter, litt unter einem prügelnden Vater, der als Zirkusartist sein Geld verdiente. Ihre Mutter hatte sie als kleines Kind weggegeben zur Großmutter, die sich nicht um sie kümmerte, sie beinahe verhungern ließ. Der Vater brachte sie zur anderen Großmutter in die Normandie, die in einem Bordell arbeitete. Die Prostituierten kümmerten sich um sie. Als Vierjährige war Edith Piaf zwischenzeitlich erblindet, wurde aber wieder gesund.
Autor des Hörfunk-Beitrags ist Marcel Anders

Geboren wurde sie mit bürgerlichem Namen als Edith Giovanna Gassion im Pariser Arbeiterviertel Belleville. Sie stammte aus ärmlichsten Verhältnissen, hatte eine drogensüchtige Mutter, litt unter einem prügelnden Vater, der als Zirkusartist sein Geld verdiente. Ihre Mutter hatte sie als kleines Kind weggegeben zur Großmutter, die sich nicht um sie kümmerte, sie beinahe verhungern ließ. Der Vater brachte sie zur anderen Großmutter in die Normandie, die in einem Bordell arbeitete. Die Prostituierten kümmerten sich um sie. Als Vierjährige war Edith Piaf zwischenzeitlich erblindet, wurde aber wieder gesund.
Autor des Hörfunk-Beitrags ist Marcel Anders

Piaf heißt auf Deutsch "Spatz" und so wurde Edith Piaf genannt: "Der kleine Spatz" – "la môme piaf". Sie war gerade einmal 1,47 Meter groß, ihre Stimme dafür umso gewaltiger. Als 15-Jährige, sie war längst wieder beim Vater untergekommen, zog sie allein als Straßensängerin durch Paris und wurde so entdeckt.

"Die Menschen haben sie geliebt. Sie haben sie mit stehenden Ovationen bedacht, manchmal bis zu 30 Minuten beklatscht und geschrien: Bravo Edith! Bravo, Edith!" Voller Begeisterung erinnert sich ihre Schwägerin Christie Laume, die letzte Familienangehörige, an Edith Piaf. Mehrere Biografien hat sie über sie verfasst. Für Christie Laume  bleibt Edith Piaf eine Ikone, eine kämpferische, starke Frau.

Edith Piaf musste früh lernen sich durchzuschlagen. Als Erwachsene schlitterte sie von einer unglücklichen Beziehung in die nächste und sang genau darüber in ihren Chansons, über Liebe, Sehnsucht und Enttäuschung. Sie fesselte ein Millionenpublikum mit Drama und Leidenschaft.

Und sie faszinierte auch die Männerwelt, hatte Affären mit Kollegen wie Yves Montand oder Georges Moustaki, mit dem Radrennfahrer Louis Gérardin und Boxweltmeister Marcel Cerdan (siehe Bild). Gérardin sagte später: "Zwei Tage und Nächte mit der Piaf sind anstrengender als die gesamte Tour de France." Der Boxer Marcel Cerdan kam tragisch bei einem Flugzeug-Absturz über den Azoren ums Leben. Edith Piaf machte sich große Vorwürfe, weil sie ihn gebeten hatte, eine frühere Maschine zu nehmen. Sie brach zusammen, griff zu Alkohol und Morphium – ihre dunkle Seite.

Als sie 1962 die letzte Liebe ihres Lebens – den 19 Jahre jüngeren und 50 Zentimeter größeren – Theo Sarapo traf, war Edith Piaf unheilbar an Krebs erkrankt. Trotzdem heiratete sie den Bruder von Christie Laume, nahm mit ihm gemeinsame Songs auf und ging auf Tournee. Bis sie am 10. Oktober 1963 an Lungenkrebs starb – mit gerade mal 47 Jahren.

Paris verabschiedete sie wie eine Nationalheldin. Drei Tage wurde sie in ihrem Apartment aufgebahrt, berichtet die Schwägerin Christie Laume. Der Trauerzug zum Friedhof Père Lachaise wurde angeführt von ihrer langjährigen guten Freundin Marlene Dietrich und ihrem Mann, Theo Sarapo. "Wir brauchten drei Lieferwagen, um die ganzen Blumen zu transportieren", erinnert sich Christie Laume. 40.000 Menschen kamen zur Beerdigung. Der Verkehr in der Stadt brach zusammen.

Ihr Grab auf dem Friedhof Père Lachaise: EP - Edith Piaf. Das Werk von Edith Piaf ist auch 53 Jahre nach ihrem Tod fest im öffentlichen Bewusstsein verankert, ihre Lieder wirken immer noch zeitgemäß und relevant. Zu ihrem 100. Geburtstag veröffentlicht ihre Plattenfirma das Lebenswerk der Piaf im generalüberholten Sound – eine imposante Musikbox mit 350 Songs, die ihre gesamte Schallplattenkarriere von 1937 bis 1963 abbilden, dazu seltene Aufnahmen aus dem Tonstudio, Proben, Liveauftritte und ein Interview aus dem Jahr 1962.

Vielerorts wird sie in diesem Monat geehrt und an ihren 100. Geburtstag gedacht. Es gibt Konzertabende, die französische Nationalbibliothek in Paris widmet Edith Piaf eine Ausstellung.

Gerade nach den Terroranschlägen in Paris haben die Lieder von Edith Piaf eine neue Aktualität gewonnen, den Menschen Trost gespendet. "Der Spatz von Paris" – 100 Jahre nach ihrer Geburt wirkt Edith Piaf so lebendig wie selten zuvor.

Stand: 16.12.2015, 13:00 Uhr