Wie ältere Menschen das Internet nutzen

Digitale Senioren

Wie ältere Menschen das Internet nutzen

Für die meisten Menschen ist das Internet unverzichtbar. Ältere Menschen hingegen haben oft Berührungsängste. Laut einer repräsentativen Umfrage der Bitkom nutzen nur vier von zehn Menschen über 65 Jahren in Deutschland das Internet. Wie lässt sich das ändern?

Viele ältere Menschen haben wortwörtlich den Anschluss an das Internet verloren. Sie brauchten es nicht, als sie noch arbeiteten, hatten keine Lust, sich später damit zu beschäftigen oder kannten niemanden, der ihnen den Zugang erklärte. Im Berliner Senioren Computer Club lernen sie alles Schritt für Schritt: den Internetbrowser nutzen, die neueste Version installieren - erst einmal ganz praktische Anleitungen.

Als älterer Mensch nicht belächelt werden

Günter Voß ist ehrenamtlicher Dozent im Senioren Computer Club. "Die Menschen merken, dass sie hier willkommen sind. Sie sind eine kleine Gruppe, trauen sich Fragen zu stellen und sehen, dass andere ähnliche Probleme haben", beschreibt Voß. Eine Teilnehmerin, die 71-jährige Gisela L., hat durch ihren Enkel zunehmend gespürt, dass es ohne Internet heute nicht mehr geht. "Ich möchte nicht außen vor sein, auch ein bisschen mitreden, Ahnung haben und nicht als älterer Mensch belächelt werden", erklärt sie ihre Motivation.

Das Internet durchdringt zunehmend alle Lebensbereiche. Arzttermine lassen sich online vereinbaren, Kleidungsstücke bei Versandhändlern digital bestellen. Und besonders wichtig: Durch E-Mails bleiben auch Senioren im regen Kontakt mit ihrer Umwelt, so Bernhard Rohleder von der Bitkom. Laut dem Verband der Informations- und Telekommunikationsbranche sind bereits heute rund 40 Prozent der Rentner online.

"Die Eintrittshürde wird von vielen als zu hoch empfunden"

Untersucht hat die Bitkom dabei auch, wozu ältere Surfer das Netz nutzen. "Senioren schätzen am Internet insbesondere die Möglichkeit, ganz unkompliziert zu kommunizieren, mit ihrem Freundeskreis, ihrer Familie, mit den Enkelkindern. Sie schätzen zum zweiten die Möglichkeit, sich zu informieren und schlau zu machen." Besonders das Thema Bildung sei den älteren Nutzern wichtig, zum Beispiel Hintergründe zu geschichtlichen Epochen zu recherchieren. "Sie bekommen Informationen nicht nur angeboten, sondern haben die Möglichkeit, nachzusteigen, tiefer zu bohren und sich damit auch im Alter geistig fit zu halten", sagt Experte Bernd Rohleder.

Noch sind ältere Menschen, die im Netz surfen, die Minderheit. Die Bitkom hat bei ihrer Untersuchung festgestellt, dass mehr als 60 Prozent der über 65-Jährigen in Deutschland offline sind. Viele gingen davon aus, dass sie das Internet nicht brauchen, andere haben die technische Kenntnis nicht und niemanden, der ihnen hilft. "Diese Eintrittshürde wird von vielen als zu hoch empfunden", erklärt Rohleder. "Die sagen: Ich bin jetzt 70 Jahre ohne Internet ausgekommen - für die letzten zehn Jahre geht es auch noch so."

Soziale Netzwerke wie Facebook & Co nutzen die Senioren ebenfalls selten. Der 71-jährige Max J., der das Internet erst im Rentenalter erobert hat und heute im Senioren Computer Club aushilft, hat dazu eine ganz eigene Meinung: "Soziale Medien nutze ich nicht, weil ich das, mit Verlaub, Quatsch finde. Irgendwelche Informationen austauschen, die niemanden zu interessieren haben." Außerdem hinterlasse man mit jedem Eintrag in die sozialen Medien eine Spur. "Man sollte nicht mehr von sich preisgeben als unbedingt notwendig. Und der größte Teil, der dort geschrieben wird, ist ohnehin Blödsinn", findet er.

Nur jeder 7. über 65 nutzt gelegentlich soziale Netzwerke

Eine Ansicht, die offensichtlich viele Menschen über 65 Jahren teilen: Denn selbst von der Minderheit, die überhaupt schon am surfen ist, nutzt nur jeder 7. gelegentlich die Sozialen Netzwerke, so die Bitkom-Untersuchung. Denn Senioren begreifen soziale Netzwerke als Plattformen, auf denen sich insbesondere junge Menschen tummeln. Das sei allerdings ein Irrtum, sagt Bernd Rohleder. Es gebe bereits spezielle Plattformen nur für ältere Menschen, wo diese sich treffen und Themen diskutieren, die sie interessieren. Doch in Deutschland sind solche Plattformen noch eine Nische.

Im Senioren Computer Club lernen die Teilnehmer schließlich noch, wie sie ihren Computer durch ein Virenprogramm vor Angriffen schützen. Mehr als jeder zweite Senior, der das Internet für sich entdeckt hat, hält es anschließend für unverzichtbar. Im Berliner Senioren Computer Club habe sich kürzlich eine 82-Jährige erstmals an den PC getraut, erzählt Günter Voß - mit Erfolg: Sie kann jetzt eigenständig im Netz surfen.

Autor des Radiobeitrages ist Thomas Gith

Stand: 27.07.2015, 11:08

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