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Exzentrische Pop-Elfe

Exzentrische Pop-Elfe

Sie trug schon ausgeflippte Kostüme, als Lady Gaga noch völlig unbekannt war: Björk wird heute 50 Jahre alt. Ein Blick zurück auf die Karriere der Universal-Künstlerin, die das "Time"-Magazin zu den 100 einflussreichsten Menschen der Erde zählt.

Die Künstlerin Björk in den 90ern

Björk Guðmundsdóttir wurde 1965 während eines Vulkanausbruchs auf Island geboren. Ihr Vorname bedeutet "Birke". In ihren Adern fließt das Blut von grönländischen Inuit-Vorfahren. Mit fünf schickten die Eltern ihre Tochter in eine Musikschule, sie lernte Klavier, Geige und Flöte. Als sie elf war, sandte einer ihrer Lehrer eine Aufnahme ihres Gesangs an eine Radiostation. Björk wurde ein Plattenvertrag angeboten. Mit einer Sammlung aus Folk-Disco-Songs wurde sie zum Kinderstar und bekam Platin in Island.

Autorin des Radiobeitrags ist Nina Meuters.

Björk Guðmundsdóttir wurde 1965 während eines Vulkanausbruchs auf Island geboren. Ihr Vorname bedeutet "Birke". In ihren Adern fließt das Blut von grönländischen Inuit-Vorfahren. Mit fünf schickten die Eltern ihre Tochter in eine Musikschule, sie lernte Klavier, Geige und Flöte. Als sie elf war, sandte einer ihrer Lehrer eine Aufnahme ihres Gesangs an eine Radiostation. Björk wurde ein Plattenvertrag angeboten. Mit einer Sammlung aus Folk-Disco-Songs wurde sie zum Kinderstar und bekam Platin in Island.

Autorin des Radiobeitrags ist Nina Meuters.

Mit 15 schämte sich Björk für ihre bisherige Musik. Sie verließ ihr Elternhaus ebenso wie die klassische Musikschule - und tobte sich in diversen Punkbands aus. Mit kaum 18 tourte Björk mit ihrer isländischen Band Kukl durch Europa. International bekannt wurde sie aber erst 1988 mit ihrer alternativen Rock-Band Sugarcubes und dem Song "Birthday". Schon vier Jahre später wurde ihr die Band zu eng - die Insel auch. Sie brauchte Raum, verließ Reykjavik und zog nach London. Björk saugte alles auf, was die Londoner Club-Szene zu bieten hatte - Dance, House, Techno - und mischte es mit Pop, Jazz und Harfenklängen. Ihre ersten Solo-Alben "Debut" und "Post" wurden große Erfolge.

1999 sollte Björk die Musik für Lars von Triers Film "Dancer in the Dark" schreiben - aber nicht nur: Der Regisseur wollte, dass die Sängerin, die nie eine Schauspielausbildung genossen hatte, auch die Hauptrolle spielte. Erst weigerte sich Björk - ließ sich dann aber überzeugen. Mit Erfolg: Beim Filmfestival in Cannes wurde sie für die Rolle 2000 als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Bei der Oscar-Verleihung 2001 trug die Künstlerin ihr wohl berühmtestes "Kostüm": das Schwanenkleid. Sie trat auf, legte ein Ei in Form einer roten Handtasche auf den Teppich - und wurde hinterher von diversen Stil-Kritikern für das Outfit zerrissen. Unvergessen bleib es trotzdem.

Auch auf der Bühne schlüpft Björk in die verschiedensten fiktionalen Charaktere. Sie sagt dazu: "Ich verspüre immer das Bedürfnis, mein Inneres mit dem Äußeren zu synchronisieren. Ich kann erst dann relaxen, wenn ich nach außen so aussehe, wie ich mich im Inneren fühle."

Björk polarisiert. Für ihren eigenwilligen Stil zwischen Science-Fiction und Naturkind wird sie entweder gehasst oder geliebt.

Björks mystischer Avantgarde-Elektropop ist geprägt von ihrer Heimatinsel Island. Von der rauen und düsteren Vulkanlandschaft, dem Zauber der glitzernden Eisflächen und dampfenden Geysire und von magischem Wetterleuchten. Auftritt bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 2004 in Athen.

"Die Art wie ich singe, ist stark beeinflusst von Islands Natur, in der ich als Kind viel Zeit verbrachte. Es passierte einfach so, auf meinen Spaziergängen, auf dem Weg zur Schule. Du läufst, es gibt keinen Wind und dann singst du fast flüsternd. Dann kniest du auf dem Moos nieder und singst eine Strophe - oder läufst auf einen Hügel und singst einen Refrain, und du musst ihn sehr laut singen, weil es stürmisch ist."

"Ich lasse mich von allem Möglichen inspirieren, von Büchern, vom Wetter, vom Wasser, von den Schuhen – ob sie bequem sind oder nicht. Musik kann nicht brilliant sein, wenn sie sich nicht am wahren Leben orientiert. Ich lasse mich inspirieren vom Leben", sagt Björk, die rund um die Welt Musiker und Chöre castet und spezielle Instrumente anfertigen lässt. Björk verwandelt Beats elektronisch in kleinteilige Microbeats. Und vertont Naturphänomene wie das schwarze Loch oder das Wachsen von Kristallen.

Nach "Dancer in the Dark" wollte Björk eigentlich nicht mehr in Filmen mitspielen. Für den Experimentalfilm "Drawing Restraint 9" machte sie noch einmal eine Ausnahme - und schrieb auch den Soundtrack. Der Film spielt auf einem japanischen Walfang-Schiff, eine Hauptrolle spielt eine Skulptur aus Vaseline - und im gesamten Film gibt es nur einen einzigen Dialog. Gedreht hat ihn Matthew Barney, Björks ehemaliger Lebensgefährte. Die schmerzhafte Trennung von Barney hat sie in ihrem 2015 erschienenen Album "Vulnicura" verarbeitet.

Schon 2000 schlug der damalige isländische Premierminister vor, Björk eine Insel zu schenken, um ihr dafür zu danken, dass sie so viel für den Ruf Islands in der Welt getan hat. Nach Protesten wurde der Vorschlag zurückgezogen. 2010 erhielt Björk immerhin den renommierten "Polar Music Prize" - überreicht vom schwedischen König Carl Gustav.

Im Frühjahr zeigte das New Yorker Museum of Modern Art eine Werkschau von Björk, zu der sie der deutsche Kurator Klaus Biesenbach überredet hatte. Ein Beleg dafür, wie stark Björk die Musik, die Performance-, die Videokunst und die Mode in den letzten Jahrzehnten geprägt hat.

Im "MoMA" durfte sich das künstlerische Multitalent austoben: Der Museumsbesuch wurde begleitet von einem interaktiven Audio-Guide, mit dessen Hilfe man sich in eine von Björks geschaffene Traumlandschaft begab.

Björk hat in ihrer 30-jährigen Musikkarriere zwar nie einen Welthit gehabt - aber 20 Millionen Platten verkauft. Das "Time"-Magazin bezeichnet sie als "Hohepriesterin der Kunst" und zählt sie zu den 100 einflussreichsten Menschen der Erde.

Stand: 20.11.2015, 23:59 Uhr