30. Todestag von Beuys - Fettecke, Kojote und toter Hase

30. Todestag von Beuys - Fettecke, Kojote und toter Hase

Der Mann mit dem Filzhut polarisierte. Als "Schamane" und "Scharlatan" kritisiert, ist er doch einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Vor 30 Jahren ist Joseph Beuys gestorben. Ein Rückblick auf sein mitunter skandalträchtiges Wirken.

Spuren der zerstörten Fettecke in der Kunstakademie Düsseldorf

Die Fettecke
Da ist natürlich zuallererst die berühmte Fettecke – beziehungsweise die Spuren der zerstörten Fettecke. Sie ist zu sehen im ehemaligen Raum 3 in der Kunstakademie Düsseldorf. Schimmelartige Spuren hat das Fett längst hinterlassen. Einst hing dort ein Kunstwerk: Fünf Kilogramm Butter in einer 25 Zentimeter hohen "Fettecke" in fünf Meter Höhe an der Wand. 1982 wurde es von Beuys in seinem Atelier der Kunstakademie angefertigt. Kunst? Für den Hausmeister nicht eindeutig. Neun Monate nach Beuys Tod im Jahr 1986 entfernte der Haumeister die Fettecke, die er für widerlichen Abfall hielt.

Die Fettecke
Da ist natürlich zuallererst die berühmte Fettecke – beziehungsweise die Spuren der zerstörten Fettecke. Sie ist zu sehen im ehemaligen Raum 3 in der Kunstakademie Düsseldorf. Schimmelartige Spuren hat das Fett längst hinterlassen. Einst hing dort ein Kunstwerk: Fünf Kilogramm Butter in einer 25 Zentimeter hohen "Fettecke" in fünf Meter Höhe an der Wand. 1982 wurde es von Beuys in seinem Atelier der Kunstakademie angefertigt. Kunst? Für den Hausmeister nicht eindeutig. Neun Monate nach Beuys Tod im Jahr 1986 entfernte der Haumeister die Fettecke, die er für widerlichen Abfall hielt.

Fettreste und Schnaps
Der entsetzte Johannes Schnüttgen, Beuys Schüler und Freund, fischte die Reste seinerzeit aus dem Mülleimer. Er klagte, bekam die Fettreste zugesprochen und erhielt 40.000 Mark Schadensersatz. Dem zerstörten Kunstwerk gab er einen Titel: "Joseph Beuys. Reste einer staatlichen zerstörten Fettecke." Beinahe wäre es vor zwei Jahren noch einmal zum Rechtsstreit gekommen. Schnüttgen vermachte die Fettecken-Reste an junge Künstler, die daraus Schnaps brannten. Eigentlich doch ganz im Sinne von Beuys erweitertem Kunstbegriff. Doch die Witwe Eva Beuys sah darin die Urheberrechte ihres verstorbenen Mannes verletzt. Die Parteien konnten sich schließlich einigen, der Rechtsstreit abgewendet werden.

Meister der Selbstinszenierung
Der Mann mit dem Filzhut, der Anglerweste und diesem durchdringenden Blick, ein Meister der Selbstinszenierung. Aufgewachsen ist Joseph Beuys in Kleve, lebte und lehrte in Düsseldorf. In diesem Jahr würde er 95 Jahre alt. Er war ein Freund von Andy Warhol. Berühmte Künstler wie Jörg Immendorf oder Imi Knoebel gehörten zu seinen Schülern. Er wurde verehrt und war ebenso gefürchtet, galt als strenger Lehrer, der von morgens bis abends an der Kunstakademie arbeitete.

"Jeder Mensch ist ein Künstler"
Beuys steht für einen erweiterten Kunstbegriff, die Ausweitung des kreativen Tuns auf alle Lebensbereiche. Seine vielzitierte These lautet: "Jeder Mensch ist ein Künstler." Sie provoziert bis heute und ist gleichzeitig – im Kontext der Flüchtlingskrise – aktueller denn je. Nach Beuys Ansicht hatte jeder das Recht, an der Kunstakademie zu studieren. Raumprobleme? Numerus Clausus? Beuys hatte niemanden abgewiesen, der Staat sollte die nötigen Voraussetzungen schaffen.

Johannes Rau als lebende Marionette
Das war für den damaligen NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau ein Grund, Beuys im Jahr 1972 fristlos zu kündigen. Es reichte ihm mit diesem aufsässigen Professor. Beuys musste mit seinen Studenten unter Polizeibegleitung die Akademie verlassen. Es folgten heftige Proteste, bedeutende Künstlerkollegen forderten, die Entlassung zurückzunehmen. Beuys klagte gegen das Land NRW, im Gerichtssaal stellte er seinen Widersacher Rau als lebende Marionette dar.

Der Badewannen-Skandal
Beuys und die Skandale – die Badewanne war ebenfalls einer, ähnlich der Fettecke. Es geht um die Frage: Was ist Kunst? Beuys bearbeitete eine Badewanne mit Fett, Mullbinden und Pflastern. Bevor die Ausstellung aufgebaut wurde, fand in den Räumlichkeiten im Schloss Morsbroich eine Party der SPD statt. Das Kunstwerk, nicht als solches erkannt, wurde zum Gläserspülen missbraucht. Geschehen im Jahr 1973.

Der politische Beuys
Beuys, ein revolutionärer Denker, seiner Zeit voraus. Dafür steht auch sein Kunstwerk "Rose für direkte Demokratie".

Was ist das?
Seine Werke sind und bleiben geheimnisumwoben, wie "Das Rudel". Aus Filz und Fett, Blut, Honig und Schrott machte Beuys Kunst. Die Installation mit einem alten VW-Bus und 24 Schlittenobjekten verschaffte ihm 1969 den Durchbruch.

"Zeige deine Wunde"
Das New Yorker Guggenheim Museum widmete Joseph Beuys als erstem deutschen Künstler eine große Retrospektive im Jahr 1979/ 1980. Und kurz darauf kam es in München mal wieder zum Skandal. Der Leiter der Städtischen Galerie im Münchner Lenbachhaus wollte Beuys Installation "Zeige deine Wunde" ankaufen, für 270.000 Mark. Politiker monierten die Verschwendung von Steuergeldern, das Werk galt als "der teuerste Sperrmüll aller Zeiten". Inzwischen besitzt das Museum eine der wichtigsten Beuys-Sammlungen.

Baum-Kunst
Ein Landschaftskunstwerk – 7.000 Eichen: 1982 hat Beuys begonnen, für das documenta-Projekt "Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" die ersten Eichen zu pflanzen. Fünf Jahre später, da war Beuys bereits verstorben, konnte das umfangreiche Projekt, das das Erscheinungsbild der Stadt Kassel verändert hat, abgeschlossen werden.

Beuys, der Unvergleichbare
Beuys, hier in einem Porträt von seinem Freund Andy Warhol, ist ein Aktionskünstler, selbst Teil seines Werkes. Es gibt kaum einen vergleichbaren Künstler, der Kunst und Politik mit seiner Person verbindet. Am ehesten noch der chinesische Künstler Ai Weiwei – so hat es Bettina Paust gesagt. Sie leitet das Museum Schloss Moyland im Kreis Kleve, das die größte Sammlung mit frühen Arbeiten von Beuys beherbergt. Beuys Werke sind in allen großen Museen der Welt zu sehen.

Was bleibt
Beuys hatte verrückte Ideen: Er verbrachte drei Tage und drei Nächte mit einem Kojoten vor den Augen der Öffentlichkeit in einer New Yorker Galerie. Er erklärte einem toten Hasen in einer Düsseldorfer Galerie seine Bilder. Was von Beuys bleibt: vielleicht, dass nicht alles erklärbar ist. Am 23. Januar 1986, vor genau 30 Jahren, ist Joseph Beuys an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben – im Alter von nur 64 Jahren.

Stand: 21.01.2016, 16:08 Uhr