Neu denkbar? - die Idee des Sozialismus

Axel Honneth

Das philosophische Radio mit Axel Honneth

Neu denkbar? - die Idee des Sozialismus

Hat sich der Sozialismus mit dem Ende der realsozialistischen Staaten wirklich erledigt? Der Philosoph und Soziologe Axel Honneth versucht sich an einer zeitgemäßen Neudefinition.

WDR 5 Das philosophische Radio | 06.11.2015 | 55:21 Min.

Studiogast: Axel Honneth, Philosoph; Moderation: Jürgen Wiebicke © WDR 2015

Er hatte ein Demokratiedefizit, er wurde von korrupten Eliten missbraucht, er verkannte die Wichtigkeit gesellschaftlicher Differenziertheit – und nicht zuletzt scheiterte der real existierende Sozialismus aus ökonomischen Gründen. Um einen zeitgemäßen, neuen Sozialismus denken zu können, muss man den Sozialismus des 19. Jahrhundert aus seinem Denkgebäude befreien, argumentiert Axel Honneth. Das betrifft insbesondere die Bindung an eine Klasse, die Arbeiterklasse, die (auch als soziale Bewegung) längst nicht mehr existiert. Ein Sozialismus des 21. Jahrhunderts könnte sich da festmachen, wo mit Gesetzen und Normen Fortschritte im sozialistischen Sinn errungen werden, als an den Institutionen: Die Sozialgesetzgebung, die Mitbestimmungsmöglichkeiten, des Mindestlohn als erste Schritte zum Sozialismus der Zukunft. Dieser Sozialismus, so Honneth, müsste ein demokratischer Sozialismus sein, der gesellschaftliche Differenzierung, also Individualität zulässt, und zwar im Sinne eines zwanglosen Füreinanders. Auch das ein gravierender Unterschied zum Sozialismus der Vergangenheit, in Theorie und Praxis.

Sollten wir den Sozialismus noch einmal neu denken? Demokratischer, freiheitlicher Sozialismus – eine Alternative für die Gesellschaft?

Hörer können mitdiskutieren unter 0800 / 56 78 555 oder per Mail unter philo@wdr.de

Redaktion: Gundi Große

Stand: 06.11.2015, 20:05