"Ich hab so 'ne Underdog-Mentalität"

Andreas Rettig

Redezeit mit Andreas Rettig

"Ich hab so 'ne Underdog-Mentalität"

Fußballmanager Andreas Rettig war in den obersten Etagen der Deutschen Fußball-Liga unterwegs. Jetzt ist er beim kleinen Zweitligisten FC St. Pauli. Warum, und was er von der DFB-Affäre hält: Rettig in der Redezeit.

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 10.11.2015

Gast: Andreas Rettig, kaufm. Geschäftsleiter beim Zweitligaclub FC St. Pauli; Moderation: Sabine Brandi © WDR 2015

"Ich hab so ne Underdog-Mentalität. Das zeigt ja schon meine Vita. Mit wenig dem Establishment vors Schienbein zu treten, das hat mir schon immer ganz gut gefallen", sagt Andreas Rettig, Fußball-Manager der anderen Art. Der gebürtige Leverkusener gilt als bodenständiger Praktiker "mit Krawattenallergie". Ein ungewöhnlicher Typ, verglichen mit vielen anderen Fußball-Managern - wie etwa dem DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der am Montag (09.11.2015) als Konsequenz der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 seinen Rücktritt erklärt hat.

Calmunds rechte Hand

Im Umfeld des Bayer-Konzerns reifte Andreas Rettig als rechte Hand von Reiner Calmund als Manager heran, ehe Manager-Stationen beim SC Freiburg, beim 1. FC Köln und beim FC Augsburg folgten. Dann arbeitete er zwei Jahre bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL), als "Geschäftsführer Spielbetrieb und Lizenzierung". Er sah sich dabei als Interessenvertreter der "kleinen" Vereine und setzte sich viel für Belange der Fans ein – zum Beispiel beim heiß diskutierten Sicherheitskonzept in Stadien.

Kritik am DFB

Schon ein halbes Jahr nach seinem Jobantritt bei der DFL legte er sich außerdem mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) – und damit auch mit Wolfgang Niersbach - an: Er kritisierte die Struktur des DFB als "nicht zeitgemäß" - vor allem die übermächtige Position des Generalsekretärs. Diese "Majestätsbeleidigung" brachte ihm Kritik ein, auch bittere Kommentare von der Springer-Presse. Dieses "Buddytum" habe ihn doch sehr irritiert, sagt Andreas Rettig im Rückblick.

"Mitfiebern wollen"

Experten bescheinigten Rettig als DFL-Manager sehr gute Arbeit und sagten eine steile Karriere voraus. So hätte er wahrscheinlich irgendwann Nachfolger des DFL-Präsidenten Rainer Rauball und damit einer der mächtigsten Männer im deutschen Fußball werden können. Aber Rettig hatte genug davon, neutral im Stadion zu sitzen und nicht aufspringen zu dürfen. Er wollte wieder mitfiebern, Fan sein. Angebote gab es viele - doch Rettig entschied sich für das "wirtschaftlich schlechteste": Seit September ist er kaufmännischer Geschäftsleiter beim Zweitligisten FC St. Pauli, dem etwas anderen Verein im Profi-Fußball.

Redaktion: Lea Koch

Stand: 10.11.2015, 10:05