Sinnvoll alte Klamotten entsorgen

Alte Kleidung an einer Stange

Das Geschäft mit Altkleidern

Sinnvoll alte Klamotten entsorgen

Die Stadt Aachen hat per Los entschieden, dass nur noch ein Betreiber Altkleidercontainer aufstellen soll. Das DRK hat daraufhin die Stadt verklagt. Doch was passiert eigentlich mit unseren Altkleidern und wie lässt sich sinnvoll spenden?

Warum gibt es in Aachen einen Streit um die Altkleider?

Gelbe, rote, graue Altkleidercontainer an jeder Ecke, davor stapeln sich Klamottenberge. Damit wollte die Stadt Aachen Schluss machen und hat entschieden, dass alle 100 Container im Stadtgebiet künftig von einer Organisation gestellt werden. Firmen und Organisationen konnten sich bewerben, dann wurde gelost - mit dem Ergebnis, dass der einzige private Betreiber den Zuschlag bekommen hat. Das Deutsche Rote Kreuz hat die Stadt Aachen verklagt, das Verwaltungsgericht entscheidet am heutigen Mittwoch, 27. Januar, im Eilverfahren.

Das Verfahren wird wahrscheinlich Monate dauern. Am Mittwoch geht es beim Verwaltungsgericht darum, ob das DRK die Container sofort abbauen muss oder ob die Container bis zur endgültigen Entscheidung stehen bleiben dürfen. Das Gericht hat entschieden, dass das DRK 15 von den 60 Containern abbauen muss - 45 dürfen also stehen bleiben. Welche das sind, entscheidet die Stadt Aachen. Die weitere Verhandlung ist für Ende April angesetzt.

Was passiert denn mit den gespendeten Klamotten?

Ein Großteil dieser Sachen wird verkauft. Die besten Sachen, wie etwa Designerklamotten oder kaum getragene Markenjeans, das ist die so genannte Creme-Ware, die drei bis fünf Prozent ausmacht. Diese wird direkt in Deutschland über Secoand-Hand-Läden weiterverkauft. Ein Großteil der anderen Sachen wird auch weiterverkauft, nach Osteuropa, auf die arabische Halbinsel oder nach Afrika. Ein weiterer Teil wird verarbeitet zu Dämmmaterial, Autositzen, Putzlappen usw. Und dann bleibt immer noch ein Rest übrig, der gar nicht mehr verarbeitet werden kann. Das sind circa zehn Prozent: und zwar Müll, der verbrannt wird.

Gehen die Altkleider denn nicht direkt an Bedürftige?

Es wird kaum etwas direkt gespendet. Das war früher mehr. Das wurde gesammelt, eingelagert und dann in Katastrophengebiete verschickt. Das ist aber zu teuer und zu aufwändig. Heute wird vor allem vor Ort gekauft, zum Beispiel jetzt in der Türkei für die vielen Flüchtlinge, die aus Syrien kommen.

Ein überfüllter Altkleidercontainer des Deutschen Roten Kreuzes vor einer Flüchtlingsunterkunft

Weil Altkleidercontainer oft kein schönes Bild abgeben, wollte die Stadt Aachen eine neue Regelung

Kann es auch sein, dass ich die falschen Sachen als Altkleider abgebe, die gar nicht gebraucht werden?

Das kann natürlich sein. Viele Einrichtungen brauchen Sachen für Männer wie Unterwäsche, Socken oder Schlafwäsche. Und der Großteil, der gespendet wird, das sind Frauenklamotten. Das heißt, das passt nicht richtig zusammen. Es wird also verkauft und das Geld für Sachen eingesetzt, die wirklich gebraucht werden.

Es gibt viele unterschiedliche Altkleidercontainer. Die Hilfsorganisationen sammeln und eben auch gewerbliche Anbieter. Was genau unterscheidet die beiden?

Erst einmal gar nicht so viel: Beide wollen mit diesen Sammlungen Geld verdienen. Die gewerblichen Anbieter gehen allerdings teilweise sehr aggressiv vor. Einige stellen sogar illegal Container auf, auf Privatgrundstücken, auf Supermarktparkplätzen, am Straßenrand. Eines dieser Unternehmen, das negativ aufgefallen ist, ist jenes, das nun in Aachen den Zuschlag bekommen hat. Die karitativen Einrichtungen haben den Vorteil, dass sie das Geld, das sie durch die Altkleider einnehmen, dann für einen guten Zweck ausgeben.

Kann ich denn überhaupt erkennen, wer einen Container betreibt?

Das ist relativ schwierig, denn manche Hilfseinrichtungen vermieten sogar ihre Logos an gewerbliche Anbieter. Dazu schreiben diese gewerblichen Anbieter Sprüche darauf, wie "Jede Spende hilft", obwohl es keinen karitativen Hintergrund hat. Das soll in die Irre führen und auch Druck auf die Spender ausüben. Man kann sich informieren, wer seriöse Anbieter sind. Vom Verband FairWertung gibt es eine Liste mit Anbieten, die tatsächlich seriös arbeiten.

Was muss ich beachten, wenn ich sinnvoll Altkleider spenden will?

Man sollte vorsichtig sein bei Haustürsammlungen. Es kleben manchmal Zettel an Briefkästen. Zum Beispiel steht darauf "Aufgrund der weltweit hohen Bedürftigkeit brauchen wir jetzt Kleidung und Schuhe". Das stimmt so nicht. Es geht nicht um die weltweite Bedürftigkeit, es geht darum, die Sachen zu verkaufen. Wenn auf dem Flyer nur eine Telefonnummer und keine Adresse steht, sollte man von diesem Anbieter die Finger lassen, da diese meistens unseriös sind. Am besten ist es, vor Ort zu spenden und bei Flüchtlingsunterkünften, dem Roten Kreuz oder der Caritas direkt nachzufragen. Eine andere Möglichkeit ist, alte Kleidung selbst zu verkaufen und den Erlös nicht für neue Kleidung auszugeben, sondern zu spenden.

Wenn so viele Klamotten nach Afrika verkauft werden: Leidet der Textilmarkt in Afrika darunter?

Einerseits ja. Ein Beispiel ist Tansania, da existiert heute ein sehr großer Markt mit den eingeführten Klamotten. Früher war das nicht so, da gab es Einfuhrbeschränkungen, die wurden dann irgendwann gestoppt und die einheimische Produktion ist zusammengebrochen. Andere Länder wollen das verhindern, wie Simbabwe und Ruanda, die deswegen Zölle eingeführt haben.

Die andere Seite ist, dass einige auch von diesem Handel profitieren. Die Klamotten werden eingeführt, gelagert, transportiert, verkauft - so entstehen natürlich auch Arbeitsplätze und es entsteht sogar Wertschöpfung, weil mancher Modemacher aus diesen alten Klamotten durch Aufdrucke, durch Umnähungen neue Mode macht und weiterverkauft.

Antworten von Johannes Zuber aus der WDR-Wirtschaftsredaktion

Stand: 27.01.2016, 10:07

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