Jungbrunnen und Heiltempel

Mann wäscht sich die Hände

Aachener Thermalquellen

Jungbrunnen und Heiltempel

Schon die Römer sprachen vor 2.000 Jahren den bis zu 72 Grad heißen Aachener Thermalquellen besondere Heilfähigkeiten zu. Manches funktionierte tatsächlich, anderes blieb eine Glaubensfrage.

Vermutlich kannten schon die Menschen der Jungsteinzeit und auch die Kelten die heißen Quellen in Aachen. Die Römer bauten vor circa 2.000 Jahren die ersten luxuriösen Thermen, sagt Ulrich Lieser, Thermalwasser-Experte der Bürgerstiftung "Lebensraum Aachen". "Die Römer hatten ja eine sehr ausgefeilte Badekultur mit Wellnessräumen, wie wir sie heute kennen." Es gab Vergnügungsbäder, ebenso wie Heilbäder. Im Altertum galt das Aachener Wasser als "Panaceum", als Allheilmittel, das gegen jegliche Beschwerden eingesetzt werden konnte. Doch dann versanken die Quellen in Bedeutungslosigkeit.

Aachener Quellen - ein Jungbrunnen?

Das änderte sich erst mit Karl dem Großen. Dessen Pferd soll – so geht eine von vielen Legenden – mit dem Huf aufgestampft sein und dadurch die Quelle wiederentdeckt haben. Eine andere Legende spricht dem Aachener Wasser ganz besondere Eigenschaften zu. Angeblich machte es Frauen fruchtbar. Doch die Gründe für die vielen Schwangerschaften nach einem Kurbesuch in Aachen waren wohl andere, glaubt Ulrich Lieser. Tatsächlich verbot der Rat der Stadt Aachen im Jahr 1698 das gemeinsame Baden von Männern und Frauen. Ebenfalls nicht nachweisen ließ sich der weit verbreitete Glaube, die Aachener Quellen seien ein Jungbrunnen. "Die Leute haben gedacht, wenn sie jetzt hier im Bad ausgiebig kuren, dann werden sie jünger. Das hat Casanova auch ausgenutzt und hat dann so seine Spielchen getrieben", erzählt Ulrich Lieser. Auch die angebliche Heilkraft bei Syphilis gehört wohl eher ins Reich der Mythen.

Riskante Trinkkuren

Außenansicht des Elisenbrunnens in Aachen

Schwefel-Wasser aus dem Elisenbrunnen in Aachen

Erfolgreich aber war seit jeher die Behandlung von orthopädisch-rheumatischen Beschwerden und Hautkrankheiten. "Es gibt aber auch Geschichten, dass zum Beispiel die Arbeiter, die in den Bleiminen in Stolberg und in Kelmis gearbeitet haben, hierhin gekommen sind und so genannte Trinkkuren gemacht haben, weil bekannt war durch empirische Beobachtungen, dass dann nicht so viel Schwermetall im Körper aufgenommen wird, wenn man gleichzeitig Thermalwasser trinkt", so der Thermalwasser-Kenner. Doch zu viel ist selten gut. Im 18. Jahrhundert soll der ehemalige Gouverneur von Gibraltar nach übermäßiger innerlicher Anwendung des Wassers gestorben sein. Das könnte tatsächlich an den Inhaltsstoffen – darunter Arsen – gelegen haben, meint Ulrich Lieser.

Nachgewiesene Heilkräfte des Thermalwassers

Heute werden in Aachen keine Trinkkuren mehr gemacht. Doch der nachgewiesenen Heilkräfte des Thermalwassers bedient man sich noch immer gerne, bestätigt Martin Steinau, Therapieleiter in der Aachener Reha-Klinik Schwertbad. "Das Wasser befindet sich sehr lange im Untergrund mit sehr hoher Temperatur", sagt Martin Steinau. "Deshalb können viele Stoffe, die im Gestein sind, gelöst werden. Deshalb hat es eine hohe Dichte, hohe Auftriebskräfte und gute entlastende Wirkungen für die Gelenke." Das rund 34 Grad warme Wasser hilft psychosomatischen Patienten, zur Ruhe zu kommen und zu entspannen. Auch bei Hautkrankheiten wie der Schuppenflechte werden Heilerfolge erzielt. Besonders aber profitieren Rheuma- und Orthopädiepatienten. Schwimmen, Ausdauertraining oder Gymnastik – all das fällt im Thermalwasser leichter.

Autorin des Hörfunkbeitrags ist Miriam Schack.

Stand: 07.07.2015, 17:05