Umweltzone Aachen

Abgase strömen aus dem Auspuff eines Fahrzeuges

Abkassieren ohne Folgen?

Umweltzone Aachen

Von Silke Oettershagen

Aachens Innenstadt ist seit dem 1. Februar Umweltzone: Autofahrer müssen jetzt eine Plakette erwerben. Die Stadt verspricht sich davon weniger Feinstaub. Aber geht die Rechnung auf? In anderen Städten ist die Belastung jedenfalls kaum gesunken.

Für Alain Bosch aus dem belgischen Eupen ist erstmal Schluss mit grenzenlosem Shopping in Aachen. Er bekommt in der Werkstatt keine Plakette. Sein Auto ist einfach zu alt. Enttäuscht ist er und ein wenig eingeschnappt: "Was soll ich dazu sagen? Für mich ist das ein Grund, nicht mehr in Aachen, sondern in Lüttich einzukaufen. Ganz einfach."

Andere haben mehr Glück. Oder besser gesagt: Die abgasärmeren Autos. Auf den letzten Drücker besorgen sie sich den grünen Aufkleber für die Windschutzscheibe in einer Werkstatt in der Innenstadt. Für KFZ-Mechaniker Michael Naudet reicht ein Blick in den Fahrzeugschein, um zu wissen, wer welche Plakette bekommt: "Bei einem ausländischen Fahrzeug ist das Baujahr und bei den deutschen der Emissionsschlüssel entscheidend. Das muss man in den Fahrzeugpapieren nachschauen, deshalb sind die auch im Original mitzubringen."

In Aachen sind derzeit rund 270.000 Autos gemeldet. Die Behörden schätzen, dass weniger als neun Prozent davon keine grüne Plakette bekommen werden. Für die Zukunft hofft die Stadtverwaltung, dass sich immer mehr Menschen für abgasärmere Autos entscheiden und die alten Modelle austauschen. Dazu werden sogar finanzielle Förderungen angeboten. Darüber informiert die Stadt auf ihren Internetseiten.

In der Werkstatt, in der Michael Naudet arbeitet, bekommen heute die meisten eine grüne Plakette und damit grünes Licht für die Innenstadt. Viele sehen es recht gelassen. "Wenn man sieht, was in der Stadt los ist, ist das schon vernünftig", meint einer, ein anderer: "Ich komme aus Belgien und finde das System nicht schlecht. Ich verstehe nur nicht, warum die Vignette immer unterschiedliche Preise hat."

Die Preise für die Vignette variieren in Aachen zwischen fünf und 15 Euro, je nach Anbieter. Es gibt sie bei den Behörden oder eben in den Werkstätten. Sparfüchse in Aachen haben einen ungewöhnlichen Tipp: Sie bestellen die Plakette online bei der Stadt Köln. Hier kostet sie nur fünf Euro inklusive Versandgebühr. Ausgefuchste versuchen auch, eine Ausnahmeregelung zu bekommen. Die können Halter von Bussen, Gewerbetreibenden oder auch Privatpersonen nur beantragen - allerdings nur bei der Behörde.

KFZ-Mechaniker Michael Naudet kann kein Auge zudrücken: "Ich hatte eben eine ältere Frau hier. Das Auto war von 1993. Die hatte gar keine Plakette beziehungsweise eine rote und sagte, ihr Mann würde damit ja nur zum Arzt fahren. Welche Argumente will man dann bringen? Aber so es ist halt: Ich darf dann keine Plakette vergeben."

Die Stadt Aachen kontrolliert seit dem 1. Februar, ob sich alle an die neue Plakettenpflicht halten. Wer die ignoriert, dem droht ein Bußgeld von 80 Euro plus Gebühren. Kontrolliert wird das durch die Politessen, die sich die Plaketten an den parkenden Autos ansehen. Die Behörden werden erst in den nächsten Wochen feststellen, ob sich auch wirklich alle eine neue Plakette besorgt haben. Und noch etwas länger wird es dauern, bis feststeht, ob sich die Luft in Aachen dadurch tatsächlich verbessert hat.

Redaktion: Golo Schmidt

Stand: 01.02.2016, 14:44

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