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So ist Deutschland mobil

Fahrräder im Keller

Autos auf der Straße, Fahrräder im Keller

So ist Deutschland mobil

Von Anne Preger

Wir leben in einem Land der Autofahrer - sagen unser Bauchgefühl und unsere Lebenserfahrung. Aber was verraten die Zahlen der Statistiker über die Mobilität in Deutschland? Informationen aus dem "Statistischen Jahrbuch 2015".

These Nr. 1: Deutschland ist auch weiterhin ein Autofahrerland

Stimmt. Zwei Drittel der Berufstätigen fahren mit dem Auto zur Arbeit, und zwar meist im eigenen Fahrzeug und nicht als Mitfahrer. Die Deutschen haben einen klaren Hang zum Individualismus. Im Rudel unterwegs zu sein, sei es in Bahn, Bus oder im Flugzeug, ist die Ausnahme. Nur für 20 % der Fahrten, die Personen in Deutschland insgesamt unternehmen, setzen sie sich in ein öffentliches Verkehrsmittel. Doch das Statistische Bundesamt hat auch ein Gegenargument parat: In deutschen Haushalten gibt es häufiger ein Fahrrad als ein Auto. Deutlich häufiger sogar! Laut Destatis gab es 2013 in der Bundesrepublik mehr als 71 Millionen Fahrräder und "nur" 42 Millionen Autos.

These Nr. 2: Ein Fahrrad hat man zwar, nutzt es aber nicht

Stimmt. Obwohl in 81 % der deutschen Haushalte mindestens ein Fahrrad steht, radeln nur neun Prozent der Deutschen zur Arbeit. In Nordrhein-Westfalen sind es laut Landesstatistik sogar nur acht Prozent. Eine Ausnahme in NRW ist Münster. Dort nutzen rund 35 % für den Arbeitsweg ihr Rad. In den Bundesländern im platteren Norden ist das Fahrrad zum Pendeln in der Tendenz etwas beliebter als im hügeligeren Süden der Republik.

These Nr. 3: Wenn man sich die NRW-Staumeldungen jeden Morgen anhört, dann pendeln fast alle NRW Berufstätigen zur Arbeit in eine andere Stadt

Völlig übertrieben! Es ist "nur" etwas mehr als die Hälfte der Pendler in NRW, die für ihre Arbeit in eine andere Stadt fahren. Aber die knapp 4,4 Millionen außerstädtischen Pendler, die die Landesbehöre IT.NRW für 2013 ermittelt hat, reichen für Staus und volle Bahnsteige im Land völlig aus.

These Nr. 4: Jeder kennt jemanden, der sich gerade ein E-Bike anschafft, aber eigentlich sind Elektrofahrräder noch immer eine Randerscheinung

Ansichtssache. Die Zahl der verkauften E-Bikes steigt stetig und stabil. Das sagt die Statistik des Zweirad-Industrie-Verbands ZIV. Das Statistische Bundesamt hat gerade erst angefangen, E-Bikes in der Statistik extra auszuweisen. Die amtlichen Statistiker gehen aktuell davon aus, dass von rund 71 Millionen Rädern 1,6 Millionen mit einem Elektromotor ausgestattet sind. Umgerechnet heißt das: Im Jahr 2014 kamen auf 100 Haushalte 4,3 E-Bikes. Diese Zahl ist nicht so weit weg von der Häufigkeit von Motorrädern und Rollern. Von denen gibt es in 100 Haushalten rund 14. Die spannende Frage ist, ob und wann E-Bikes ihre leistungsfähigeren Geschwister überholen.

These Nr. 5: Mobil sein - muss man sich leisten können

Stimmt! Ein deutscher Durchschnittshaushalt gibt für Mobilität jeden Monat so viel Geld aus wie fürs Essen, nämlich rund 14 % der privaten Konsumausgaben. Darunter fallen unter anderem Bus- und Bahntickets, Spritkosten und Reparaturen. Darin noch nicht enthalten sind Kosten für Urlaubsreisen. Laut Statistischem Bundesamt konnte sich 2013 jedes fünfte Paar mit Kindern keinen Urlaub leisten. Und sieben Prozent der Deutschen sagen, sie hätten gern ein Auto, es fehle ihnen aber das Geld dafür.

Redaktion:
Anna Sebastian

Stand: 28.10.2015, 16:05

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