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Zweckentfremdung – Das Geschäft mit der Untervermietung

Nahaufnahme einer Schlüsselübergabe.

Zweckentfremdung – Das Geschäft mit der Untervermietung

Von Katja Schwiglewski

Wenn Eigentümer Wohnungen leer stehen lassen oder sie zweckentfremden und Wohnraum gleichzeitig knapp ist, dann dürfen NRW-Kommunen einschreiten. In Bonn zum Beispiel ist die Untervermietung an Medizintouristen seit längerem ein Problem.

Wie auch in Dortmund, Köln und Münster gibt es deshalb eine Satzung zum Schutz und Erhalt von Wohnraum, die durchzusetzen gestaltet sich aber schwierig. Und die neue Landesregierung möchte die "Zweckentfremdungsverordnung" sogar abschaffen.

Zweckentfremdung – Das Geschäft mit der Untervermietung

WDR 4 Zur Sache | 12.10.2017 | 02:05 Min.

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Ich lebe mitten in der Stadt, aber wie im Dorf, denn was sich rund um unseren Wendehammer am Ende einer kleinen Seitenstraße abspielt, das entgeht in unserer Nachbarschaft niemandem. Besonders neugierig sind die Ureinwohner, wenn hin und wieder eine der Wohnungen frei wird. Wer da wohl einzieht, ist natürlich eine hochspannende Frage.

Neulich wieder: Da stehen drei junge Leute mit Rollkoffern und Rucksäcken vor der Haustür und verschwinden dann im zweiten Obergeschoss. Schön, denke ich, damit senkt sich hier mal der Altersdurchschnitt. Drei Tage später betritt ein älteres Ehepaar das Haus, um für ein paar Tage in derselben Wohnung zu bleiben. Die sind wenigstens ruhig, meine Überlegung, doch nur kurze Zeit später übernimmt eine südländische Großfamilie das Quartier. Ok, so kommt Leben in die Bude, alles nur eine Frage der Einstellung.

Es ist offensichtlich, und Recherchen im Netz haben es bestätigt, der neue Eigentümer hat seine Wohnung bei Airbnb eingestellt und verdient mit kurzzeitigen Untervermietungen gutes Geld.

Seine Sache? Na ja. Da ich weiß, wie knapp und wie teuer der Wohnraum in Köln ist, finde ich das problematisch. Studenten, Rentner und junge Familien haben fast keine Chance, eine anständige Bleibe zu finden, die sich auch finanzieren lässt. Für Touristen und Geschäftsreisende gibt es von der Jugendherberge über Pensionen und kleine Hotels bis zur 5-Sterne-Residenz jede Menge andere Übernachtungsmöglichkeiten.

Was ich absolut dekadent finde, ist, dass russische Oligarchen und arabische Ölmillionäre, die mit ihrer Gefolgschaft für Schönheitsoperationen und Zahnimplantate nach Deutschland kommen, für ein Schweinegeld in Privatwohnungen untergebracht werden. Da müssten sich die Kliniken etwas einfallen lassen und ihrer betuchten Klientel eine Art All-inclusive-Angebot mit Unterkunft machen. Und von Politik und Staat erwarte ich einige Anstrengungen, damit der Wohnungsmarkt nicht vollends zum Haifischbecken verkommt. Denn das dient sicher nicht dem Gemeinwohl. Wir alle brauchen bezahlbaren Wohnraum.

Stand: 12.10.2017, 13:20