Live hören
Jetzt läuft: Satin von David Orlowsky Trio

Muslimendemo macht ratlos

Demonstration der Muslime in Köln

Muslimendemo macht ratlos

Von Irene Geuer

Die Enttäuschung ist schon sehr groß nach der Demo am Samstag in Köln gegen islamistischen Terror. Liberale Muslime hatten dazu aufgerufen, es sollten 10.000 Menschen teilnehmen, so die Ankündigung.

Muslimendemo macht ratlos

WDR 4 Zur Sache | 19.06.2017 | 01:59 Min.

Download

Ja – und es kamen – man weiß es gar nicht so genau – vielleicht 1000, vielleicht waren es auch 3000, die Beobachter sind sich nicht einig. Enttäuschte Veranstalter, enttäuschte Politiker und eine Kollegin Irene Geuer, die das alles ziemlich ratlos zurücklässt.

Als ich am Samstag kurz vor eins mit meiner Tochter auf dem Kölner Heumarkt ankam, wir waren privat zu dieser Demo unterwegs, da tat sich ein bizarres Bild auf. Überall Kamerateams und Journalisten, die sich fast schon verzweifelt bemühten, Teilnehmer zu finden. Ein älterer Herr auf einer Bank am Rande des Platzes brachte es auf den Punkt. "Hier sind vielleicht 200 Leute", sagte er zu seinen Banknachbarn. 150 Journalisten, 40 Christen und 10 Muslime. Und meine Tochter meinte, naja, wenn es denn überhaupt 200 Leute sind.

Medien und Polizeiautos bestimmten die Szenerie. Auch wenn sich dem Zug durch die Innenstadt dann doch noch mehr Menschen anschlossen, es war nicht das Zeichen gegen Terror, das sich viele erhofft hatten. Der türkisch-islamische Verband Ditib hatte sich gegen die Demonstration ausgesprochen. Mit, wie ich finde, fadenscheinigen Argumenten. Zum Beispiel, dass Ramadan sei und Christen ja auch nicht an Weihnachten demonstrierten. Was nicht stimmt, wie z.B. der Heiligabend 2006 in Minden gezeigt hat, als die Menschen gegen Rechts auf die Straße gingen. Und es brandmarkt auch nicht den Islam, wie Ditib meint, wenn Muslime gegen diejenigen protestieren, die den Glauben für kriminelle Machenschaften und Mord missbrauchen.

Aber anscheinend haben Verbände wie Ditib eine große Macht. Sie schaffen es, dass 40.000 Menschen für einen diktaturambitionierten türkischen Staatschef demonstrieren. Und wenn es um etwas geht, das Ditib nicht gefällt, dann kommt auch kaum einer. Das habe ich gedacht, als wir auf dieses kleine Trüppchen liberaler Muslime am Samstag auf dem Kölner Heumarkt gestoßen sind. Und dieser Gedanke hat mich nicht losgelassen, weil ich nicht weiß, ob er richtig ist. Vielleicht lag es tatsächlich am Fastenmonat Ramadan und viele Muslime haben sich lieber zu Hause von der Arbeitswoche ausgeruht. Und das bringt mich auf den Punkt, der mich die ganze Zeit stört. Wir wissen es nicht.

Wir wissen zu wenig über die muslimische Community in unserm Land, wobei das Wort Community vielleicht schon falsch ist, weil es "die" Gemeinschaft gar nicht gibt. Wir müssen herausfinden, welche Rolle z.B. Organisationen wie Ditib in unserem Land spielen, weil ohne das kann es keinen Schulterschluss gegen Terror geben, ohne das kann es nur Vorurteile, Vorverurteilung und Misstrauen geben.