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Martin Schulz – Mister 100 Prozent

Martin Schulz, neu gewählter SPD Parteivorsitzender und SPD-Kanzlerkandidat spricht am 19.03.2017 in Berlin beim SPD-Sonderparteitag.

Martin Schulz – Mister 100 Prozent

Von Jörg Brunsmann

Das hat es noch nie in der Parteigeschichte gegeben. SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz ist am Wochenende mit 100 Prozent der Stimmen zum neuen Parteivorsitzenden gewählt worden. Ein riesiger Vertrauensvorschuss.

Aber jetzt, findet Jörg Brunsmann in seinem Kommentar Zur Sache, fängt die eigentliche Arbeit für Schulz und seine Partei erst an.

Martin Schulz – Mister 100 Prozent

WDR 4 Zur Sache | 20.03.2017 | 02:03 Min.

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Glückwunsch, Martin Schulz. Ab jetzt kann es – schon rein rechnerisch – ja nur noch schlechter werden. Aber ernsthaft: Warum kommt Martin Schulz so gut an bei den Genossen? Weil er der Ponyhof der SPD ist, das Wunschkonzert für alle enttäuschten SPDler. Und von denen gibt es viele. Im Moment kann sich ja jeder noch den Spitzenkandidaten und Parteichef backen, den er gerne hätte. Was Schulz bisher so gesagt hat von wegen "Soziale Gerechtigkeit", "Agenda 2010 überarbeiten", das sind Themen, die vielen SPD-Mitgliedern auf den Nägeln brennen. Auch wenn die Agenda 2010 aus der SPD kommt; es war ein Programm des damaligen Kanzlers Gerhard Schröders, eines, das er mit viel "Basta" durchdrücken musste.

Und ganz aktuell, die Zeit in der großen Koalition, die hat der SPD auch nicht wirklich gut getan. Gelobt wird Kanzlerin Merkel. Aber Vizekanzler Sigmar Gabriel kommt eher schlecht weg. Dass ist der große Vorteil von Martin Schulz. Er ist zwar SPD-Urgestein, war aber lange genug bei der EU in Brüssel. Und muss sich deshalb jetzt auch nicht anhören, was denn in seiner Partei in den letzten Jahren so alles schief gelaufen ist.

Anders sein als die, die es verbockt haben. Für den Anfang reicht es. Aber nicht für das nächste halbe Jahr bis zur Bundestagswahl. Jetzt heißt es: "Butter bei die Fische". Das Thema "Soziale Gerechtigkeit" ist gesetzt, jetzt muss Schulz zeigen, wie er das mit Leben füllen will. Und darf dabei auch unbequemen Fragen nicht ausweichen. Denn auch das muss man sehen: Es geht uns gut in Deutschland. Zumindest auf dem Papier. Viel Wohlstand, niedrige Arbeitslosigkeit. Aber eben auch eine hohe Unzufriedenheit bei vielen Menschen. Schulz muss sagen, wie er das ändern will. Und erklären, wo die SPD in den letzten Jahren der Großen Regierung eigentlich war. Oder, wie Putzfrau Susanne Neumann das vor einiger Zeit zu Sigmar Gabriel gesagt hat: "Warum bleibt ihr dann bei den Schwatten?"

Die 100 Prozent für Martin Schulz, das war auch eine Abstimmung über das Ende der Großen Koalition. Das Signal aus der SPD ist klar: Jetzt soll was Neues kommen. Es wird den Namen und die Handschrift von Martin Schulz tragen. Nur wie es aussehen wird, das ist noch lange nicht klar. Die eigentliche Arbeit für die Partei und ihren neuen Vorsitzenden fängt jetzt an.

Stand: 20.03.2017, 13:20