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Fußball-WM – Italienisches Leid und deutsche Gelassenheit

Gianluigi Buffon winkt unter Tränen

Fußball-WM – Italienisches Leid und deutsche Gelassenheit

Von Katja Schwiglewski

Entspannt kann Bundestrainer Joachim Löw dem heutigen Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Frankreich entgegensehen. Die Qualifikation für die WM 2018 ist geschafft, der Wettkampf um den fünften Stern kann beginnen.

Katastrophenstimmung dagegen in Italien: Zum ersten Mal seit 60 Jahren ist der viermalige Weltmeister nicht dabei.

Fußball-WM – Italienisches Leid und deutsche Gelassenheit

WDR 4 Zur Sache | 14.11.2017 | 02:15 Min.

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Wenn einem gestandenen Mannsbild wie Italiens Torwartlegende Gianluigi Buffon die Tränen kommen, dann muss etwas Dramatisches passiert sein. Es waren keine Tränen der Rührung über den eigenen Abschied aus der italienischen Fußballnationalmannschaft, die dem 39-Jährigen nach dem bitteren 0:0 gegen Schweden in die Augen schossen.

Das war ein Ausdruck tiefer Enttäuschung über einen geplatzten Traum, den Traum vom möglicherweise fünften WM-Titel für Italien, und es tut mir wirklich leid für diesen sympathischen Spieler, dass seine Bilderbuchkarriere ausgerechnet so zu Ende gehen musste. Andererseits könnte sich mein patriotisches Fußballherz nach dem vorzeitigen WM-Aus der Italiener doch freuen!

Denn wie sagt die Statistik noch gleich? Noch nie hat Deutschland bei einer WM gegen Italien gewonnen. Ein gefährlicher Konkurrent weniger also. Aber ehrlich gesagt, so richtig freuen kann ich mich darüber nicht. Gleichzeitig komme ich ins Grübeln, warum sich mein Mitleid für die ebenfalls im Vorfeld gescheiterten Niederländer in Grenzen hält, obwohl ich Holland als Land sehr mag.

Die einzige Erklärung, die ich finde, lautet: Fußball hat viel mit Emotionen zu tun, die sich jeder Logik entziehen. Rational kaum nachvollziehbar erscheint auch, dass sich Deutschland jedes Mal pünktlich zum Start einer Welt- oder Europameisterschaft in ein einziges freudentrunkenes schwarz-rot-goldenes Party-Revier verwandelt, während jetzt noch nicht mal ein Stadion voll wird, wenn die Nationalmannschaft in Köln, der größten Stadt Nordrhein-Westfalens, aufläuft.

Klar, viele WM-Helden haben inzwischen abgedankt: Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski sind nicht mehr dabei. Die jungen Spieler, die jetzt nachrücken, sind noch weitgehend unbekannt. Mit ihnen kann Jogi Löw in aller Gelassenheit experimentieren. Noch. Aber am 14. Juni 2018 braucht Fußball-Deutschland definitiv wieder eine stärkere Dosis Adrenalin. Und bis dahin wird sich Bella Italia hoffentlich wieder beruhigt haben.

Stand: 14.11.2017, 13:20